The Black Wolf's Den: Nachtgedanken
 

Nachtgedanken

Mittwoch, 2. Januar 2008

Erwartungen

So ein Jahresanfang eignet sich vermutlich ob seiner Natur hervorragend für dieses Thema. Was mir die letzte Zeit in veränderter Form übrigens immer mal wieder über den Weg läuft. Und mich jedes Mal mehr nervt. Du mußt. Du solltest. Du hättest. Du könntest ja mal.

Nee, ich muß nicht. Ich soll nicht. Ich hätte nicht und ich könnte auch nicht mal. Man wird ja schon als kleines Kind auf diesen Mist gedrilllt - tu das, was man von dir erwartet, dann bist du ein gutes Kind. Ich bin kein gutes Kind. Ich bin eigenwillig. Und das bin ich gerne wenn es darum geht, keine faulen Kompromisse einzugehen.

Es gibt genug Leute, die sich verbiegen und verknoten lassen, um die Erwartungen zu erfüllen, die andere Leute an sie stellen oder von denen sie glauben, sie stellten eben diese Erwartungen. Hab ich - ganz ehrlich - keine Lust drauf. Wenn ich gerade maulig sein mag, dann bin ich maulig. Dann sage ich auch "Nö, bin heute maulig". Wer sagt, daß ich das nicht darf nur weil es jemandem gerade nicht in den Kram paßt, daß ich nicht die erwartete gute Laune habe?

Ist es nicht unheimlich vermessen von uns zu erwarten, daß andere Leute sich unseren Ansprüchen anpassen? Und dann auch noch beleidigt zu sein, wenn das nicht passiert? Oder gar Rechtfertigungen zu fordern? Ich persönlich bin es müde, mich ständig für das rechtfertigen zu müssen, was ich bin oder nicht bin, was ich sage oder nicht sage, was ich tue oder eben nicht tue.

Es gibt jemanden in meinem Bekanntenkreis, der notorisch unpünktlich ist. Entweder kann ich mich jedesmal mit ihm streiten, wenn er mich zum Rollenspiel abholt. Oder ich sage ihm halb vier und richte mich darauf ein, daß er um vier Uhr da ist. Spart mir eine Menge Ärger und ich kriege auch so, was ich will: um vier Uhr abgeholt zu werden, keinen Streß, keine Vorwürfe, keine unnötige Streiterei. Witzigerweise ist er recht pünktlich seitdem ich genau das von ihm nicht mehr erwarte.

Erwartungen setzen mich unter Druck und ich tendiere dazu, mich gegen Druck zu wehren. Wenn es um berufliche Dinge geht, arbeite ich unter dem Druck, viel zu tun zu haben für zu wenig Zeit wesentlich besser. Im Privaten jedoch reagiere ich ablehnend auf Druck. Da muß ich das nicht haben.

Es sollte vollkommen in Ordnung sein zu sagen "Ich hab heute keine Lust, keine Zeit, bin nicht in der Stimmung für Kino, weg gehen, plauschen, was auch immer." Ohne mich dafür lange und breit rechtfertigen zu müssen. Wenn es mir beschissen geht, dann sage ich auch schon mal eine Verabredung ab. Ich möchte schließlich auch nicht, daß sich jemand zu einem Treffen mit mir quält, wenn es eigentlich angebrachter wäre, im Bett zu liegen mit Kopfschmerzen. Oder was auch immer, vielleicht auch nur mit schlechter Laune. So etwas sollte man sagen dürfen ohne sich danach blöd zu fühlen.

Ich merke deutlich, daß ich mittlerweile immer extremer reagiere, so bald jemand damit beginnt, mir zu erzählen, was ich zu tun und zu lassen habe. Ich weiß meistens, wer ich bin, was ich brauche und was nicht. Niemand außer mir ist für meine Gefühle, meine Gedanken verantwortlich. Erwartungen an andere sind letztendlich nur die Spiegelung dessen, was wir von uns selber erwarten.

Von daher kann ich das Jahr 2008 auch unter das Motto "Zurück zu mir" stellen. Bei mir und meinen Gefühlen, meinen Gedanken bleiben. Und keine faulen Kompromisse mehr.

Freitag, 21. Dezember 2007

Wintertag

Sehr früh aufgestanden. Zumindest für meine Verhältnisse, es war nämlich noch fast dunkel. Als ich so mit meinem Becher Tee in der einen und der Zigarette in der anderen Hand auf dem Balkon stand, wurde ich von einem zauberhaften Sonnenaufgang begrüßt. Die Welt sah aus, als hätte jemand großzügig alles mit Puderzucker bestäubt. Weiße Zweige glitzerten mit den Dächern um die Wette.

Während ich selbstvergessen meine Zigarette rauchte und mich an diesem Ausblick nicht satt sehen konnte, dachte ich, daß das Leben gar nicht so beschissen sein kann wenn man so eine schöne, glitzernde und friedliche Welt zum Frühstück geschenkt bekommt.

Fix die Anträge ausgedruckt, in die Stadt gefahren mit einem Bus, der dieses Mal herrlich leer war, Kopien gemacht und auf eine Visite bei der Behörde meines Herzens vorbei geschaut um denen mal ein bißchen mehr Papier da zu lassen. Mit gemischten Gefühlen wieder vor der Türe gestanden, ohne groß nachzudenken in den Bus gestiegen und bis zur Endstation gefahren.

So ein Tag lädt zum Spazieren gehen ein. Also bin ich zwei Stunden durch einen wunderbaren Wintermärchenwald marschiert. Nicht mal wirklich warm angezogen - es sei denn, dünne Socken, Jeans, Longsleeve und Strickjacke gelten als warme Kleidung. Mit jedem Schritt blieb ein bißchen der Grübelei der letzten beiden Tage hinter mir zurück.

Verantwortung für sich selber übernehmen zu können ist eine feine Sache - so lange man auf dem schmalen Grat zwischen Verantwortung und Selbstzerfleischung wandern kann. Denn genau das ist es, was jedesmal passiert sobald sich mir Niederlagen in den Weg stellen. Selbstzweifel und die Fragen, ob es etwas gibt, was ich hätte anders, besser, schneller, wie auch immer machen können um es zu verhindern.

Und nein, es gibt nichts, was ich hätte anders, besser, schneller, wie auch immer machen können. Ich bin gut. Vielleicht nicht so schnell wie die Kollegin, dafür wesentlich gründlicher. Ich habe meine Arbeit ordentlich gemacht. Ich bin länger geblieben wenn notwendig. Ich hab die Mittagspause geopfert wenn notwendig. Ich kann Kunden um den Finger wickeln - niemand, der mit einer Beschwerde bei mir aufläuft ist noch sauer, wenn er den Hörer wieder auflegt. Ich kann eigene Entscheidungen treffen in dem mir gesteckten Rahmen und ich kann sie vertreten. Ich weiß, wann ich was am besten abarbeite, weil ich meinen eigenen Rhythmus kenne und weiß, zu welcher Tageszeit ich in Hochform bin. Es war immer mehr als nur 100 Prozent.

Verantwortung für sich selber zu übernehmen heißt auch, daß man sich nicht die Verantwortung anderer aufhalst. Die Entscheidungen, die meinen ehemaligen Arbeitgeber eine Menge Geld gekostet haben, waren nicht meine. Gut, daß ich die Konsequenzen tragen muß, ist für mich dumm. Für sie könnte es noch dümmer kommen - auch nicht mein Problem. Die Tatsache, daß ich gehen mußte, hat mich (mal wieder) schwer getroffen, schließlich habe ich sehr gerne da gearbeitet und vielleicht ist das einer meiner Fehler, immer zuviel Herzblut in das zu stecken, was ich mache. Allerdings weiß ich sehr gut, daß sich das nicht groß ändern wird - denn was ich anfange, das mache ich gründlich. Schlampige Arbeit abliefern ist mir zuwider.

Jetzt kann ich mir bis Jahresende überlegen, was ich mache. Ob ich erst einmal hier bleibe und in der Region einen Job suche. Oder ob ich vielleicht doch den Schritt in eine andere Stadt gehe. Und wenn ja, wohin. Welche Vor- und Nachteile das mit sich bringt. Dann schauen wir also mal, was jetzt kommt. Oder um es mit Hilfe meines prophetischen MP3-Players auszudrücken: Steh auf, wenn Du am Boden bist - Die Toten Hosen.

Freitag, 23. November 2007

Ferngesteuert

Die letzten Nächte durchgehend wenig geschlafen. Jeden Morgen eine halbe Stunde nach Klingeln des Weckers im Bett herum gewälzt und mir gewünscht, mich einfach wieder umdrehen zu dürfen. Gestohlene halbe Stunden, die dann den Rest des Morgens vor dem Aufbruch zur Arbeit erst recht hektisch wirken lassen. Dabei kann ich Hektik morgens gar nicht leiden.

Ich könnte den Mond dafür verantwortlich machen, daß ich im Moment schlecht schlafe. Schließlich ist ja mal wieder die Zeit um Vollmond. Böser Himmelskörper. Stattdessen laufe ich mehr wie ferngesteuert durch den Tag. Konzentriere mich mit aller Kraft darauf, neun Stunden Büro durch zu stehen. Was soviel heißt wie einfach arbeiten und alles andere ausblenden. Auch die Geschichten von Kindern. Ich habe keine und momentan auch kein großes Interesse an Kindern, die nicht meine sind.

Ich bin einfach müde. Wenn ich noch ein bißchen trainiere, kann ich bestimmt bald den Kiefer ausrenken wie eine Schlange. Interessanterweise bin ich zwar immer noch müde, wenn ich ins Bett gehe kann aber trotzdem nicht schlafen. Also gehe ich spazieren. Zwei Stunden durch kalte Nachtluft, den Soundtrack von Pirates of the Caribbean im Ohr.

Und endlich stehen die Zahnrädchen unter meiner Schädeldecke mal einen Moment still. Ich bin müde und leer. Ich hab keine Lust mehr auf ständiges Kämpfen. Ich hab auch keine Lust mehr darauf, Babysitter für jeden zu spielen, der sein Leben nicht in die eigenen Hände nehmen kann. Dumm, wenn man nicht in der Lage ist, das Mutter-Theresa-Syndrom einfach mal auszustellen. Sich selber zu helfen kann doch jetzt wirklich nicht so schwer sein, oder etwa doch?

Bin ab jetzt nicht mehr im Dienst. Ich mach Wochenende. Einfach so. Und als erste Amtshandlung hängen wir das "Gone Fishing" Schild an die Türe und schlafen aus. Kein Wecker, der unbarmherzig klingelt. Keine gestohlene halbe Stunde.

Ausgeschlafen sieht alles nur noch halb so wild aus. Dann finden wir auch ganz fix wieder zum gewohnten sarkastischen und selbstironischen Selbst. Jeder macht sich schließlich sein eigenes Bett, in dem er dann zu liegen hat. Ich glaube nicht, daß ich da die Ausnahme bilde. Suppe eingebrockt, dann löffel die Suppe halt auch aus. Bis zum bitteren Ende. Und dann bin ich wieder meine eigene Herrin. Über meine Zeit. Über meinen Einsatz. Über meine Gedanken. Über meine Gefühle. Nicht mehr ferngesteuert.

Dienstag, 16. Oktober 2007

Manchmal ...

... braucht es einen Blick zurück, um den Weg zu erkennen, den man bereits gegangen ist.

Dienstag, 2. Oktober 2007

The art of letting go ...

Man möge den englischen Titel entschuldigen - ich lese und schaue momentan viel auf Englisch und wie der Engländer sagen würde "it just keeps sticking somehow" ...

Treue Leser werden sich vielleicht noch erinnern, letztes Jahr im Sommer wurde meine Mutter krank. So zynisch und schwarzhumorig ich manchmal mit dem Thema "Beziehung zwischen Mutter und Tochter" auch umgehen mag, die Ereignisse letztes Jahr haben mich in lange und komplizierte Grübeleien gestürzt. Schließlich ist der Tod ein Thema, daß die Lebenden gerne ausklammern. Gerade der Tod eines geliebten Menschen. Und das man sich damit manchmal schneller konfrontiert sieht als man geglaubt hat, nun, das wird jeder aus eigener, schmerzvoller Erfahrung kennen.

Ganz egal, welche Glaubenseinstellung man zum Tod haben mag - ob man ihn als absolutes Ende oder ein Schritt in eine andere Welt oder vielleicht auch als neuen Anfang begreift - er ist auf jeden Fall eines: eine Veränderung. Vor gar nicht allzu langer Zeit erzählte mir ein guter Bekannter, daß die Ärzte nicht mehr viel Hoffnung für seine Mutter haben und der Familie den Rat gaben "sich auf das Schlimmste vorzubereiten". Nun ja, was ist das schlimmste? Ich würde rein intuitiv sagen, daß hängt vom Standpunkt ab. Mein Standpunkt tendiert eher in die Richtung, einen geliebten Menschen leiden zu sehen ist wesentlich schlimmer als ihm auf Wiedersehen zu sagen.

Es fiel der Satz "Ich will aber meine Mutter noch so lange wie möglich um mich haben!" den ich ohne Nachdenken und rein aus der Intuition mit der Frage "Findest du das nicht ziemlich egoistisch?" beantwortet habe. Und wie es oft ist mit Gedanken, die meiner Intuition entspringen und laut ausgesprochen werden, kann ich sie nicht wirklich ad hoc erklären. Genauer gesagt, ist es mehr ein Gefühl in Worte gefaßt als ein Gedanke. Nun, das ganze endete in einer recht hitzigen Situation, in der ich mich für eben diese Frage angegriffen sah. Und wie das so ist, wenn man die blöde Angewohnheit hat, mehr als nur eine Seite der Medaille zu sehen, kann ich diesen Angriff sogar verstehen und habe das Thema ruhen lassen.

Losgelassen hat es mich trotzdem nicht. Ich meine, wie kann man so herzlos sein, jemandem Egoismus vorzuwerfen wenn er einen geliebten Menschen so lange wie möglich um sich haben will? Ich habe darüber nach gedacht, wie ich mich fühlen würde steckte ich in der Situation, in der die Mutter meines Bekannten steckt. Und ich kam zu dem Schluß, ich wäre vermutlich sehr genervt davon, Jahre gegen eine heimtückische Krankheit anzukämpfen und es mit ratlosen Ärzten zu tun zu haben, die in mir mehr ein Versuchskaninchen für neue Therapien sehen. Noch mehr genervt wäre ich von Freunden und Familie, die ständig mit einer "Es könnte ja das letzte Weihnachten, der letzte Geburtstag, das letzte gemeinsame Lachen, etc. pp. sein" Einstellung um mich herum wuseln, mich bemuttern und zu wissen glauben, was mein Leben verlängert weil sie mich noch lange um sich haben wollen (unvorstellbar, ich weiß).

Und dann habe ich darüber nachgedacht, was wäre, wenn es meine Mutter wäre. Es wäre hart, verdammt hart. Doch ich würde nicht wollen, daß sie sich quält. Ich glaube daran, daß im Tod auch Würde liegt und jeder ein Recht auf einen würdevollen Tod hat. Es hat in meinem Leben immer wieder Menschen gegeben, die zum richtigen Zeitpunkt aufgetaucht sind und wir haben exakt die Zeit den gleichen Weg geteilt, die es brauchte, damit mir diese Menschen das geben konnten, was nötig war. Es gab großartige Menschen in meinem Leben, zu denen ich heute keinen Kontakt mehr habe, die mir nichtsdestotrotz etwas Wertvolles geschenkt haben. Für mich ist das der Weg des Lebens. Niemand prägt diesen Weg intensiver als Eltern und vermutlich schmerzt nichts mehr als der Verlust dieser beiden Menschen - egal auf welche Weise, es ist nicht immer der Tod, der uns unsere Eltern nimmt.

Für mich ist es genauso der Lauf der Dinge, daß sich auch der Weg unserer Eltern irgendwann von uns trennen wird. Während meiner Grübeleien über dieses Thema kristallisierte sich immer mehr heraus, daß ich sie nicht aufhalten möchte. Wenn sie müde sind, ihre Zeit und ihr Weg sich dem Ende nähert, dann möchte ich nicht aus dem Wunsch heraus, nicht alleine zurück bleiben zu müssen, mit aller Kraft festhalten. Ich will sie begleiten - egal wie lange es dauern mag. Und ich möchte, daß sie gehen können mit dem Bewußtsein, daß ich meinen Weg fortsetzen kann auch wenn sich unsere Wege trennen. Sie sind der stärkste Teil von mir und die Menschen, die mir unendlich viel mitgegeben haben. Und deshalb möchte ich, daß sie in Würde und mit dem Gefühl gehen können, der wichtigste Teil meines Lebens zu sein.

Dienstag, 25. September 2007

Blutige Nasen

Damals, als ich noch ein Teenager war und somit mitten auf der Schwelle zwischen Kind sein und Erwachsener stand, war ich ruhig, angepaßt, lieb. Kaum zu glauben, oder? Trotz allem war es so. Lauten Worten ging ich aus dem Weg, weil sie mir Angst machten. Hunde, die bellen, beißen nicht - es hat lange gedauert, das zu lernen. Ich war - und bin es noch - sehr gut darin zu verbergen, wann und ob mich jemand verletzt hat. Eben, zeig dem Gegner keine Blöße. Meist saß ich bei Zusammenkünften mit Verwandten, Bekannten, Freunden der Familie still irgendwo herum und hörte zu. Denn als Teenager wird man von den wenigsten Menschen ernst genommen. Erst recht nicht, wenn man anderer Meinung ist. Und das war ich meistens.

Nun, die Zeiten ändern sich. Ich hab mich geändert. Heute kann ich mich wehren. Lasse mich von polternden Worten nicht mehr einschüchtern, die mich verletzen sollen. Für jemanden, der mich lange nicht gesehen und gesprochen hat, mag diese Veränderung nicht offensichtlich sein. Für jemanden, der mit mir schon einmal aneinander geraten ist und definitiv den kürzeren gezogen hat, sollte sie offensichtlich sein ...

Schauplatz: ein Wohnzimmer. Fünf Personen sitzen um den Tisch im Wohnzimmer. Knabbereien in Schüsseln, Bierflaschen auf Untersetzern. Die Frage, was ich denn im Moment so mache. Bis dahin alles in Ordnung. Ich erzähle von meinem Job, vom Rollenspiel, von Büchern und Filmen, vom Yoga und vom Niederländisch-Kurs. Ich werde gefragt, warum ich denn ausgerechnet mit Niederländisch meine Zeit verschwenden würde, die Holländer würden doch ohnehin alle Deutsch sprechen. Da hätte ich mir ja auch was sinnvolleres aussuchen können ...

Ganz dummer Fehler. Erst recht, wenn man mir verbal weit unterlegen ist. Gibt eine ganz böse Klatsche. Wie man jetzt aber noch so dumm sein kann, mir freiwillig die rechte Wange hinzuhalten nachdem ich der linken schon meine Abdrücke verpaßt habe, entzieht sich meinem Verständnis. Ich meine, wie kann jemand ernsthaft glauben, ich würde eine solche Steilvorlage sausen lassen, wenn dermaßen danach gebettelt wird, abgewatscht zu werden? Eben. Es ist eines, mir alte Kamellen vorzuhalten. Es ist etwas vollkommen anderes, wenn diese ollen Kamellen überhaupt nichts mit der Person zu tun haben, die mir gegenüber steht.

Ich bin nicht mal wütend. Ich bin etwas, daß man als eine Mischung aus Belustigung und mildem Ärger beschreiben könnte. Und ich nehme den Ball auf, der mitten ins Schwarze treffen sollte. Gebe ihn zurück, mit wohl gezielten Worten. Mitten ins Schwarze. So deutlich, daß das Schweigen danach förmlich mit Händen greifbar ist. Halte dennoch den größten Trumpf im Ärmel. Weil ich seine Frau mag, verzichte ich darauf, im wahrsten Sinne des Wortes tief und hart unter die Gürtellinie zu zielen. Schließlich habe ich gezeigt, daß ich mich zu wehren weiß. Es gibt keinen Grund, nachzutreten. Das überlasse ich anderen ... Das kleine Mädchen, das niemand ernst nimmt und das Angst hat, zu sagen was es denkt, gibt es nicht mehr. Jetzt gibt es ... mich. Und meinen Gegenüber, der mich wütend über den Tisch anfunkelt, sich ein weiteres Mal eine blutige Nase geholt hat und nichts mehr zu sagen weiß.

Montag, 27. August 2007

Nachdenklich

Es ist ein Jahr her, fast auf den Tag genau. Da habe ich das hier gesagt. Und heute weiß ich, daß ich recht hatte. Irgendwie macht mich das traurig. In einem winzigen Punkt habe ich mich allerdings geirrt. Die Fetzen des Bandes waren dennoch stark genug um nicht vollends abzureißen. Es ist schon etwas an diesem Spruch, daß PartnerInnen kommen und gehen, echte Freunde einem hingegen erhalten bleiben.

Zeit hat einen wunderbaren Effekt. Je mehr davon verstreicht, desto größer wird der Winkel mit dem man gewisse Ereignisse betrachtet. Bis man selber in die Perspektive gerät. Vielleicht ist das ein Grund dafür, daß ich selten nachtragend bin - weil sich die Ereignisse verändern, wenn Zeit vergeht bis man sich selber sehen kann. Mit der Zeit kommt Verständnis - wenn man es zu lassen kann.

Irgendwo wußte ich, daß noch nicht alles kaputt war. Vielleicht habe ich es auch einfach nur inständig gehofft. Auch wenn es keiner zugegeben hat, wir haben uns vermißt - trotz der Verletzungen und unschönen Geschichten, die vorgefallen sind. Irgendwann war genug Gras über alles gewachsen, um genau das durch die Blume zugeben zu können. Durch die Blume wurde Entschuldigung gesagt, Hände gereicht und "Freundschaft?" gesagt.

Ich habe vor einem Jahr schon eine ganze Menge gesehen und gewußt. Dinge, die ich für mich behalten habe. Denn es gab keinen Grund, noch mehr Gräben aufzureißen. Ich habe einfach bezweifelt, daß Du mir glauben würdest. Und heute schweige ich noch immer. Wozu Öl in ein Feuer gießen, daß zwischen Dir und Ex lodert? Das ist nicht mein Feuer und wozu Dich nach so langer Zeit unnötig verletzen? Du weißt es trotzdem, weil es immer jemanden gibt, der tratschen für seine "Pflicht" hält. Warum habt ihr mir das nicht schon früher erzählt? hast Du wissen wollen. Weil Du es selber hast erkennen müssen - so schwer das auch ist. Vielleicht wäre es meine Pflicht als Freundin gewesen, Dich zu beschützen, doch ich weiß, daß ich Dich nicht vor diesem Schmerz beschützen kann. Egal wie, dieses Wissen tut Dir weh.

Du magst etwas verloren haben, an dem einst Dein Herz hing. Doch was Du nicht verloren hast, sind Deine Freunde. Welcome back, little one. Du weißt, daß ich da sein werde wenn Du mich brauchst.

Dienstag, 21. August 2007

Rainy day

Meine Socken stecken in dicken, weichen Flauschesocken, um meine Nase weht der Geruch von frisch aufgebrühtem Tee und draußen regnet es. Und regnet. Und regnet noch ein bißchen mehr. Meinetwegen kann es die ganze Woche regnen. Regen bedeutet im Normalfall keine Sonne, die das Büro aufheizt. Und es plätschert so gemütlich vor sich hin, passend zur nachdenklichen Stimmung.

Es ändert sich im Moment so viel. Nicht nur, daß ich jetzt nur noch vier statt sieben Tage zu Hause sitze und endlich etwas sinnvolles zu tun habe. Ähnlich einem Fluß, der sich aus vielen Quellen speist, plätschern meine Gedanken allmählich auf ein klares, gemeinsames Ziel zu. Noch weiß ich nicht so ganz, wohin genau. Macht nichts, es gibt genug interessante Dinge am Ufer.

So viele Möglichkeiten, etwas neues zu lernen. Und genau darauf habe ich Lust - neue Dinge zu lernen. Ich freue mich jetzt schon auf den Niederländisch Kurs, der in zwei Wochen beginnt. Es interessiert mich auch nicht sonderlich, daß mir der ein oder andere ständig erzählt, daß ich lieber etwas "Nützliches" lernen solle. Französisch oder so. Darf ich das bitte selber entscheiden? Ich hab kein Talent für Französisch, aus der Schule weiß ich noch zu gut, daß ich die Aussprache nicht auf die Kette kriege. Meine Versuche, Französisch zu sprechen klingen wie europäisches Kisuaheli ...

Es macht Spaß, den Kopf zu benutzen. Ich lese wieder wesentlich mehr und gucke weniger Fernsehen. Ich belege meine freie Zeit mit Verabredungen. Ich grübel über Lösungen für Probleme nach und komme langsam weiter. Ich kann mich immer noch darüber freuen, einen vernünftigen MP3-Player für wenig und vor allen Dingen eigenhändig verdientes Geld bekommen zu haben. Ich freue mich darauf, morgen wieder ins Büro zu gehen. Es macht mir Spaß, komplexe und mit technischen Ausdrücken gespickte Texte nicht nur zu verstehen, sondern auch noch in eine andere Sprache zu übersetzen - weil es mich fordert auch wenn ich fast eine Stunde herum knobel, wie ich "außergewöhnliche Steckervergoldungen" am Besten übersetze, weil so etwas im benötigten Zusammenhang natürlich nicht im Wörterbuch zu finden ist.

Mir geht es gut und das erstaunt mich täglich auf ein Neues. Es fühlt sich ausgezeichnet an, nicht nur zu wissen, daß man etwas kann, sondern auch zeigen zu dürfen, was man auf der Pfanne hat. Was wohl unweigerlich eine Entwicklung nach sich zieht. Im Moment überlege ich, wie es weiter gehen soll, was ich machen möchte, was ich zusätzlich lernen möchte, was mich interessiert und meinen Fähigkeiten entspricht. Und plötzlich hat jemand wie ich, der mit längerfristigen Plänen für gewöhnlich so viel am Hut hat wie ein Huhn mit einer Rindfleischsuppe, ein grobes Ziel vor Augen. Noch leicht verschwommen, wie hinter einer Nebelbank verborgen.

Ich treibe dann mal weiter auf die Flußmündung zu. Mal gucken, wann ich am Meer angelangt bin. Oder um meine fiktive Lieblingsfigur sprechen zu lassen:

All we have to decide is what to do with the time that is given to us. --- Gandalf, The Fellowship

Donnerstag, 2. August 2007

Freier-Tag-Gedanken

Heute ist mein freier Tag. Und was ist? Es ist grau und regnet. So haben wir aber nicht gewettet. Außerdem bin ich vollkommen übermüdet und versuche gerade mich zu motivieren, doch jetzt in die Stadt zu fahren. Zur Bank, zur VHS, in den Buchladen (ein Geschenk kaufen - ich hoffe, es bleibt bei einem Buch ...), Hosen und neue Schuhe kaufen. Ich könnte ja darauf wetten, daß ich weder passende Hosen noch vernünftige Schuhe finde und das Geld dann wieder im Buchladen durchbringe ...

Vielleicht hätte ich heute Nacht schlafen sollen. Stattdessen überkam mich ein Aufräumwahn. Jetzt kann ich unten wieder treten ohne über irgendwelchen Krempel zu stolpern, meine Papiere sind ordentlich weggeräumt, meine private Buchhaltung auf den neuesten Stand gebracht, das Budget für diesen Monat durch gerechnet und alle Kerzenhalter mit neuen Kerzen bestückt. Nur noch Wäsche waschen - das kommt nachts um halb vier nicht so gut. Kann ich morgen machen.

Während des Auf- und Herumräumens darüber nachgedacht, welchen Sprachkurs ich nun belegen soll. Russisch geht nicht, dieses Semester läuft kein Anfängerkurs. Blieben Spanisch und Niederländisch. Spanisch läuft vormittags - schlecht, wenn ich arbeiten muß. Also Niederländisch, das läuft abends. Ich hab einfach Lust, was Neues zu lernen. So richtig Lust und nicht nur dieses "Ach, ich könnte ja eigentlich ..." Gefühl, aus dem dann ohnehin nie etwas wird.

Erstaunlich, was sich die letzten zwei, drei Monate getan hat. Was sich ganz langsam verändert. An so grauen Tagen wie heute habe ich manchmal das Gefühl, als würde ich neben mir stehen und mich beobachten. Als sei die dicke Frau mit den roten Haaren (Notiz an mich: neues Henna kaufen!) eine Fremde, die mit mir überhaupt nichts zu tun hat.

Dieser Job tut mir gut. Ich fühle mich wohl dort und wie ein trockener Schwamm saugt mein Verstand all das Neue, das es zu lernen gilt, in sich auf. Der Chef läßt seine Mitarbeiter Fehler machen in dem Glauben, daß sie daraus lernen. Gut, wenn man den gleichen Fehler ständig wiederholen würde, dann wäre er vermutlich schon ungehalten. Man kann ihn fragen wenn man etwas nicht weiß und wenn man einen Fehler gemacht hat, kann man das sagen - dann bekommt man erklärt, wie es hätte sein sollen und warum. Ruhig und gelassen nach dem Motto "Wissen ist dazu da, geteilt zu werden". Es geht mir auch gar nicht so sehr um das Geld, was ich dort verdiene und von dem mir die ARGE eine Menge abziehen wird. Das Gefühl, etwas zu tun zu haben und sich dabei weiter zu entwickeln, selbständig arbeiten und Ideen einbringen zu dürfen, ist mehr wert als das Geld. Auch wenn ich mit Geld meine Rechnungen bezahle ...

Ganz allmählich, dafür sehr unaufhaltsam, macht sich das Gefühl in mir breit, mein Leben endlich in den Griff zu kriegen und zu wissen, wohin es soll. Lange aufgeschobene Probleme anzugehen und eine Lösung dafür zu finden. Raus aus diesem Loch, in dem sich gar nichts mehr zu bewegen schien. Das fühlt sich ein wenig fremd an. Das Gefühl war so lange abwesend, daß es sich ganz fehl am Platze anfühlt und wenn man gewohnt ist, ständig nur Steine in den Weg geworfen zu bekommen, dann macht es einen auf den ersten Blick mißtrauisch, wenn etwas zu gut scheint um wahr sein zu können.

"Zeit, das sich was dreht." Es dreht sich, bewegt sich. Wohin auch immer, das werde ich ja dann schon sehen. Vorerst sollte ich mich in die Dusche bewegen, sonst wird das heute nichts mit in die Stadt fahren ;-)

Samstag, 23. Juni 2007

Nachtaktiv

Seitdem ich damals bei meinen Eltern mein eigenes Zimmer (auch liebevoll "das Kabuff" genannt) bekam, bin ich des Nachts gerne wach wenn alle anderen schlafen. Dafür gibt es auch keine wirklich sinnvolle Erklärung. Ich mag die Nacht einfach. Es ist still und dunkel. Kein Alltagslärm und Kerzenlicht wirkt dann erst richtig. Ab zehn Uhr abends werde ich produktiv, was zur Folge hatte, daß in der Nacht vor dem Termin geschriebene Referate immer die Besten waren.

Die Nacht gehört mir. Mir mit meinen Büchern, meiner Musik oder Hörbüchern, meinem Thinkpad, den Kerzen, meinem Tee. Darüber diskutiere ich auch nicht und noch weniger lasse ich mich dazu erziehen, wann ich schlafen zu gehen habe. Ich bin siebenundzwanzig, nicht sieben. Schon meine Eltern haben es nicht geschafft, mir meine nachtaktive Seite auszutreiben. Wenn es denen nicht gelungen ist, dann gelingt es niemandem. Ganz böse geht es ins Auge, wenn man mir diese Eigenart zu einem Angriff auf die eigene Person umbasteln möchte. Damit geht man mir auf den Keks - nicht mehr, nicht weniger.

Es stecken in der Mehrzahl der Nächte keine großen persönlichen Probleme oder ähnliches hinter dieser Vorliebe. So bin ich eben. Schon immer gewesen. Eine weitere Ecke in meiner merkwürdigen Persönlichkeit. Mich stört das nicht und das ist für mich die Hauptsache ...

Immanuel Kant:

"Handle so, daß die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könnte."

deutscher Philosoph
(1724 - 1804)

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Kluge Worte ...

"Der beliebteste Fehler unter Leuten, die etwas absolut idiotensicheres konstruieren wollen, ist der, daß sie den Erfindungsreichtum von absoluten Idioten unterschätzen."
Douglas Adams,
britischer Schriftsteller


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"I don't know half of you as well as I should like, and I like half of you less than you deserve."
J.R.R. Tolkien,
Lord of the Rings


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“And all those exclamation marks, you notice? Five? A sure sign of someone who wears his underpants on his head.”
Terry Pratchett,
Mummenschanz

Disclaimer

Alle Texte, wenn nicht ausdrücklich anders angegeben, stammen aus meiner Feder. Die Texte dürfen gerne anderweitig verwendet werden, doch ich bitte darum, daß diese dann auch als "aus meiner Feder" kenntlich gemacht werden. Eine E-Mail, in der man mir mitteilt, warum und wo, freut mich, einen Back-Link erbitte ich mir ;-)

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