The Black Wolf's Den: Heulen der Woelfe
 

Heulen der Woelfe

Montag, 6. November 2006

Uraltes Fundstück

Ich habe heute Nacht durch ein fast vergessenes Tagebuch von mir geblättert und etwas gefunden, was ich vollkommen vergessen hatte. Den ersten Text von mir, der jemals das Licht der Öffentlichkeit erblickt hat – lange bevor ich nur darüber nachgedacht habe, irgendwann mal ein eigenes Weblog zu führen. Entstanden im Rahmen des Deutsch-LKs, als unsere Lehrerin auf die glorreiche Idee kam, mit uns das Thema „Kreatives Schreiben“ zu behandeln. Wir bekamen dafür Bilder, sollten uns eines aussuchen und dazu eine Geschichte verfassen – die wir dann, oh Graus, auch noch laut vorlesen sollten und ich hatte die Ehre, die Erste sein zu dürfen ... Ich weiß noch, daß die Bilder Radierungen waren. Ziemlich düster gehalten. Leider habe ich das Bild dazu nirgends finden können, doch darauf war der Blick durch ein Fenster in einen düsteren Hof zu sehen, umrahmt von einer hohen Mauer, in deren Schatten eine kleine Blume wuchs. Doch genug geschwafelt ...

Das Gänseblümchen

Sie wollen wissen, wer ich bin? Ich kann es ihnen nicht mehr sagen, denn ich bin eine Vergessene. Sie wollen wissen, warum ich die Hoffnung aufgegeben habe? Auch darauf muß ich ihnen die Antwort schuldig bleiben. Wie lange ich schon hier bin, fragen Sie? Darauf gibt es nur eine Antwort. Und sie lautet: „Zu lange.“ Wissen Sie, ich war einmal wie sie. Hatte lange schwarze Haare und lachte gerne. Ich liebte das Lesen und träumte mich in eine bessere Welt. Ich wollte lieben, das Leben genießen, die Welt verbessern und barfuß über taufrische Wiesen tanzen. Und Sie werden jetzt lachen, doch ich wünschte mir nichts mehr auf der Welt als eine echte Levi's Jeans. So eine, wie Sie da anhaben. Doch Jeans gab es nicht. Jeans waren eine böse Erfindung des teuflischen Feindes auf der anderen Seite des eisernen Vorhangs.

Ich war jung und heute muß ich sagen, ich war naiv. Ich glaubte tatsächlich daran, die Welt verbessern zu können. Ich traf mich heimlich mit anderen jungen Leuten. Wir schlichen durch die Nacht und trafen uns an abgelegenen Plätzen um geschmuggelten Whiskey zu trinken und verbotene Zigaretten zu rauchen. Wir diskutierten im Schutze der Dunkelheit und träumten uns auf die andere Seite des eisernen Vorhanges, wo doch alles besser sein sollte. Wir fühlten uns unangreifbar, doch das Regime sollte uns eines besseren belehren.

Eines Tages, es war ein warmer Frühlingstag, standen sie vor dem Häuschen meiner Eltern. Sie trugen lange, graue Mäntel und die Gleichgültigkeit im Gesicht. Einer von ihnen packte mich am Arm, zerrte mich von meinen Eltern weg. Mein Vater stellte sich ihm in den Weg. Ein zweiter schlug ihn mit einem Knüppel nieder. Manchmal höre ich Nachts das Geräusch, daß der Knüppel machte, als er auf den Schädel meines Vaters prallte. Sehe meinen Vater lautlos zusammen sacken, mitten in der Bewegung. Blut fließt aus der Platzwunde über sein Gesicht. Höre den Schrei meiner Mutter. Sie stürzte sich wie eine Furie auf die Männer in den grauen Ledermänteln. Das letzte, was ich von ihr sah, die letzte Erinnerung, die ich an sie habe während der Häscher des Regimes mich aus dem Haus zerrte. Zwei Männer hielten sie fest und einer schlug ihr mit seiner Faust gegen die Schläfe. Fast schon zärtlich. Mit sanften, fließenden Bewegungen.

Sie brachten mich hier her. Sperrten mich in eine drei mal drei Meter große Zelle. Ein Bett. Ein Eimer in der Ecke für meine Notdurft. Ich schrie mir die Seele aus dem Leib. Trat gegen die Türe. Warf den Blecheimer immer wieder gegen die Wand. Niemand kam. Irgendwann sackte ich erschöpft auf dem Bett zusammen. Ich hatte kaum die Augen geschlossen, da kamen sie. Mich zu holen. Ich hörte das Knacken des Türschlosses und war zu erschöpft, mich zu rühren. Sie zerrten mich in einen kahlen Raum. Jemand riß mir die Kleider vom Körper, stieß mich zu Boden. Ich kämpfte verbissen und verlor doch. Ich wurde festgehalten, auf den Boden gedrückt während mir jemand meine Haare vom Kopf säbelte. Ein harter Strahl eiskaltes Wasser traf auf meinen Körper und ich wurde wie eine Puppe an die Wand geschleudert. Ich hörte gehäßiges Gelächter.

Ich wußte nie, wann sie wieder kommen würden. Sie lernen das Geräusch des Schlüssels im Schloss zu fürchten. Am Anfang hegen Sie noch die Hoffnung, es käme jemand, um sie zu retten. Doch diese Hoffnung nehmen sie Ihnen. Langsam. Tag für Tag ein bißchen mehr. Sie zerrten mich mitten in der Nacht aus dem Bett, schleppten mich zum Verhör. Ich wehrte mich verbissen. Tritt, schlug und kratzte um mich. Doch jeder Tritt und jeder Schlag wurde mir mehrfach zurück gezahlt. Sie jagten Strom durch meinen Körper. Sie rammten heiße Nadeln in meine empfindlichsten Körperstellen. Sie schlugen jeden Zentimeter meiner Haut grün und blau. Sie schrien mich an, verlangten von mir zu erfahren, wer noch an der Verschwörung beteiligt sei. Ich hielt Freunden die Treue, die mich vermutlich schon längst verraten hatten. Gab nicht auf, ließ mich nicht zerbrechen.

Mit der Zeit wurden die Verhöre seltener. Sie glauben gar nicht, wie lange ein Tag sein kann, wenn Sie sich vor lauter Schmerz nicht bewegen können und Sie, wie aus weiter Ferne, die Schreie anderer Gefangener hören. Dann ließ man mich lange Zeit in Ruhe. Einmal die Woche durften wir Gefangenen duschen. Gespräche mit den anderen Häftlingen waren verboten und zogen empfindliche Strafen nach sich. Ihre leeren Gesichter und zerbrochenen Blicke zeugten davon, daß sie schon lange aufgegeben hatten.

Etwas in mir ließ nicht zu, daß ich mich aufgab. Sie mögen das vielleicht Überlebenswillen nennen. Vielleicht war es das, ich weiß nicht. Selbst als die Wächter nachts in meine Zelle kamen, gab ich nicht auf. Ich habe Ihnen schon gesagt, daß man das Geräusch des Schlüssels zu fürchten lernt. Ich war hellwach als ich das metallische Schaben hörte, daß wie ein Peitschenknall durch die Nacht hallte. Sie waren zu dritt. Zwei hielten mich fest, drückten ihre Hände auf meinen Mund. Der dritte öffnete mit einem bösartigen Grinsen seine Uniformhose. Warf sich auf mich. Ich drehte den Kopf zur Wand und ertrug seine grunzende Gewalt. Sie verschwanden so schnell wie sie gekommen waren.

Wissen Sie, Zeit hat hier keine Bedeutung. Nicht an diesem Ort, den die Welt vergessen hat. Ich betete zu Gott, doch er hörte mich nicht. Ich wartete und hoffte darauf, jemand käme mich zu erretten. Doch niemand kam. Ich verfluchte Gott und ich verfluchte die Welt. Ich lief stundenlang in meiner Zelle auf und ab. Kämpfte gegen den Wahnsinn, der sich meiner bemächtigen wollte. Gegen die Ohnmacht, die mir verführerisch zuflüsterte, mich meinem Schicksal zu ergeben. Ich hielt dem Wahnsinn Gedichte und Liedertexte entgegen, an die ich mich erinnerte. Ich stieg auf mein Bett und schaute aus dem Fenster. Kein Grün weit und breit zu sehen. Dieses Fenster wurde mein Tor zu einer Welt, die sich meiner nicht mehr erinnern wollte.

Ich versuchte anhand des Wetters, der Wolken, der Sonne, des Regens und des Windes den Überblick zu behalten, welche Jahreszeit wir hätten. Doch was hätte es mir genutzt zu wissen, wieviel Zeit an einem Ort vergangen war, an dem Zeit keine Rolle spielte? Und eines Tages, da sah ich es. Die zerfetzten Wolken, die über den Himmel trieben mit ihrem Versuch, die Sonne zu verstecken, konnten es nicht vor mir verbergen. Am Fuß der Mauer blühte zwischen zwei Pflastersteinen ein Gänseblümchen. Klein und unscheinbar hatte es sich einen Weg durch die hier herrschende Lebensfeindlichkeit gebahnt und reckte trotzig sein Blütenköpfchen der Sonne hin.

Was ich jetzt sage, klingt in Ihren Ohren bestimmt albern. Doch dieses kleine, unscheinbare Gänseblümchen wurde zu meinem Rettungsanker. Wenn es hier überleben konnte, dann konnte ich es auch. Stundenlang hing ich am Fenster und schaute es an. Es war so wunderschön. So zart und doch so robust. Es war perfekt und ich verlor mich darin, es in allen Einzelheiten wahr zu nehmen. Ich kann Ihnen nicht mehr sagen, wie viele Tage ich stumm mit diesem Blümchen redete. Doch ich tat es jeden Tag. Bis zu dem Moment, wo ein Wärter auf seiner Runde stehen blieb. Das Gänseblümchen bemerkte. Es kurz anschaute. Und dann den Fuß hob um es unter seinem schweren Stiefel zu zermalmen.

Haben Sie schon mal das Geräusch einer zerbrechenden Seele gehört? Nun, ich habe ihn an jenem Tag gehört, als das kleine Gänseblümchen sein Leben unter einem schweren Stiefel aushauchte. An dem Tag wurde ich eine der zerbrochenen Gestalten, die dieses Gefängnis hier bevölkern. Ich wurde zu einer Vergessenen, für die Zeit keine Rolle spielt. Deren Seele leer und deren Blick gebrochen ist. Meine Hoffnung starb mit dem Gänseblümchen. Und jetzt gehen Sie bitte. Erzählen Sie meine Geschichte, erzählen Sie die Geschichte meines Gänseblümchens. Sorgen Sie dafür, daß andere nicht auch zu Vergessenen werden.

Sonntag, 30. Oktober 2005

Der Flug des Bussards

Dank meiner genialen Fehlschätzung und am Sonntag geschlossener Baumärkte hatte ich nun einen freien Sonntag. Die Tatsache, daß ich damit meinen Wochenplan - sprich, was bis nächsten Freitag alles zu erledigen ist - ziemlich gestrafft habe, ignorierte ich geflissentlich und entschied mich nach einem Blick aus dem Fenster für einen ausgedehnten Herbstspaziergang. Noch ein bißchen goldenen Oktober tanken, bevor uns der November mit Sturm und grauen Regenwolken in die eigenen vier Wände treibt.

Es ist angenehm warm und der leichte Wind läßt bunte Blätter auf den Waldweg regnen. Mit den Füßen wirbel ich das Laub auf und es knistert mit dem Glöckchen an meinem rechten Schuh um die Wette. Es ist friedlich hier und seltsamerweise begegnet mir kein Mensch. So beobachtet mich auch keiner als ich den Waldweg verlasse und quer zwischen den Bäumen hindurch zu meiner Lieblingslichtung schlendere. Ein Meer aus roter, gelber, oranger und brauner Farbe begrüßt mich, die Bäume strahlen in ihren Herbstkleidern um die Wette in der goldenen Sonne. Auf einem sonnigen Fleckchen, daß mit dem trockenem Laub der Buche, die dort steht, übersät ist breite ich die Decke aus und strecke mich wohlig in der Sonne aus. Den "Zauberberg" aus der Tasche gekramt, mehr braucht es nicht und ich bin zufrieden.

Ich weiß nicht genau, wie lange ich schon in mein Buch versunken bin als plötzlich eine Bewegung am Himmel meine Aufmerksamkeit auf sich zieht. Wie ein Stein stürzt ein dunkler Fleck auf den Erdboden zu. Der dunkle Fleck entpuppt sich als Bussard und fasziniert beobachte ich, wie er seinen Sturzflug kurz vor dem Boden elegant abbremst und mit vorgestreckten Krallen landet. Er sitzt zehn, zwölf Meter von mir entfernt und er scheint Beute gemacht zu haben. Ich kann nicht erkennen, was er geschlagen hat und es verwundert mich, daß er sich mit der Beute in den Krallen nicht wieder in die Luft erhebt. "Hast du überhaupt keine Angst vor mir?" frage ich und komme mir im selben Moment etwas albern vor, mit einem Vogel zu reden. Er legt für einen Augenblick den Kopf schief, breitet dann seine Flügel aus und schraubt sich in die Höhe.

Gedankenverloren starre ich ihm hinterher und beneide ihn. Das Buch ruht vergessen auf meinem Bauch während der Bussard sich höher und höher schraubt und allmählich aus meinem Blickfeld verschwindet. Ich schließe die Augen, nur für einen kurzen Moment, und als ich sie wieder öffne, stelle ich mit Erstaunen fest, daß ich etwas unbeholfen über den Boden hopse und mit den Armen schlage. Ich komme mir ziemlich albern vor, ehrlich gesagt, und mein Erstaunen wächst, als ich statt der weichen Wolle meiner Strickjacke Federn auf meinem Arm entdecken muß. Verdutzt bleibe ich still stehen und überlege mir, was ich tun soll. So einfach, wie es ausschaut, scheint es doch nicht zu sein, sich in die Luft zu schwingen.

Zaghaft wage ich einen weiteren Versuch. Ruhiger, koordinierter diesmal und auf einmal fühle ich eine Leichtigkeit, die mich nach oben zu ziehen scheint. Vorsichtig stoße ich mich ab und der Boden entfernt sich langsam von mir. Oder ich von ihm? Sanft werde ich vom Wind erfaßt und ich merke, daß es gar keiner großen Anstrengung bedarf, mich in der Luft zu halten, sondern daß ich mich nur mit weit ausgebreiteten Flügeln vom Wind tragen lassen muß. Jauchzend lasse ich mich vom Wind höher und höher treiben, werde mutiger und fühle mich, als würde ich einfach nur über den Himmel tanzen während sich unter mir eine Landschaft erstreckt, die herbstbunt ist und in der verstreut Häuser liegen. Als ob ein Kind ein paar Legosteine über einem farbenprächtigem Teppich verteilt hätte.

"Da bist du ja endlich," ertönt eine Stimme über mir. Dort segelt der Bussard, den ich eben noch auf der Wiese seine Beute habe schlagen sehen. "Wieso endlich?" frage ich neugierig. "Ich warte schon geraume Zeit auf dich. Dein Herumgehopse da unten sah wirklich mitleiderregend aus," in seinem Tonfall schwingt milder Spott mit. "Du hast auf mich gewartet?" wiederhole ich fragend, den Spott ignorierend. "Ich habe deine Sehnsucht gespürt und dich zu mir gerufen. Folge mir, wenn du kannst," ruft er und segelt mit dem Wind in die Höhe.

Ich folge ihm und wir tanzen über den Himmel, spielen mit dem Wind und ich fühle mich leicht, frei und sorglos. "Warum hast du mich gerufen?" will ich wissen. "Schau dich um, was siehst du?" fragt er zurück. Ich schweige, weiß nicht worauf er hinaus will. "Siehst du Grenzen? Siehst du etwas, das dich einschränkt? Siehst du jemanden, der dir Verbote auferlegen kann? Siehst du etwas, das dich daran hindert herauszufinden, was hinter dem Horizont ist?" sein Blick bohrt sich in den meinen. "Nein," sage ich während seine Worte in mein Herz sickern. "Deswegen habe ich dich gerufen," in seiner Stimme liegt Wärme und Verständnis.

Es benötigt keiner weiteren Worte dort oben am Himmel, wo sich die Landschaft unter mir ausbreitet als wäre sie ein Spielzeugland. Ich bade in dem Gefühl der Leichtigkeit, genieße den warmen Wind, der mich trägt und gleite ziellos über den Himmel. "Du mußt allmählich zurück," seine Stimme klingt fest. "Doch vergiß nicht, wieder hier her zu kommen und dich daran zu erinnern, daß es für dein Innerstes keine Grenzen und Einschränkungen gibt, daß alle Verbote und Moral hier nicht existieren." Ich blicke ein bißchen wehmütig nach unten, die Vorstellung wieder zurück zu kehren behagt mir gar nicht. "Wie komme ich denn wieder darunter?" will ich wissen und fühle mich ein bißchen hilflos. "Leg die Flügel an und laß dich kopfüber in den Wind fallen," erklärt er. "Das kann ich nicht!" rufe ich aus, allein bei dem Gedanken an einen Sturzflug da hinunter wird mir schlecht. "Du kannst es."

Ich tue, was er sagt und ehe ich mich versehe, rauscht die Luft an mir vorbei und ich stürze dem Erdboden entgegen. Kurz bevor ich auf der Wiese aufschlage, reiße ich erschrocken die Augen auf. Ich sitze aufrecht auf meiner Decke und muß offensichtlich geschlafen haben, die Schatten sind länger geworden und die Sonne steht tief am Horizont. Verwirrt versuche ich mich zu orientieren, schüttel den Kopf über den lebhaften Traum und beginne, meine Sachen zusammen zu packen. Als ich über die Wiese gehe, bleibt mein Blick an einer Feder hängen, die genau dort liegt, wo ich den Bussard auf seine Beute zustürzen sah. Nachdenklich hebe ich sie auf, drehe sie sachte zwischen meinen Fingern und schaue in den Himmel. Fast meine ich, dort oben einen kleinen, dunklen Fleck ausmachen zu können, der gemächlich dort oben kreist. Vorsichtig lege ich die Feder zwischen die Seiten meines Buches und mache mich auf den Heimweg. "Ich werde wieder kommen," verspreche ich dem gefiederten Räuber dort oben leise und nehme seine Worte mit nach Hause.

Dienstag, 18. Oktober 2005

Feuergeist

Es ist dunkel, die Sonne ist schon vor einiger Zeit glutrot hinterm Horizont versunken und während sie noch einen letzten Gruß aufleuchten läßt, breitet die Nacht schon ihren diamantbesetzten Samtmantel aus. Es ist die Zeit der Feuergeister, die seit Anbeginn der Zeit das Dunkel vertreiben und die Wärme des Feuers heraufbeschwören.

Nur das silberne Licht des fast vollen Mondes sickert durch die Bäume und man spürt mehr als das man sieht, daß er genau weiß, was er tut. Seine Hände scheinen zu wissen, was zu tun ist ohne daß er einen Gedanken daran verschwenden müßte. Dennoch schwebt eine Aura von Konzentration durch die Äste als er die Vorbereitungen abschließt und plötzlich leuchtet der erste Funke auf. Zögerlich faßt er Fuß im Papier, es beginnt zu knistern und bald darauf brennen die ersten dünnen Zweige. Ein zarter Schein durchbricht das Dunkel, vertreibt das silberne Mondlicht und flackert sacht auf.

Die Szene besitzt eine Qualität die von zeitloser Ursprünglichkeit ist. Er könnte eben so acht Jahre wie auch achtzig Jahre alt sein, er könnte eben so gut in der mongolischen Steppe oder in den Wäldern Kanadas zu Hause sein. Fasziniert schaue ich zu, wie er das Feuer vom ersten zarten Aufflackern begleitet bis es fröhlich knisternd auflodert. Als würde er ein Kind an der Hand nehmen, ihm helfen laufen zu lernen bis es so weit ist, in die Welt hinaus zu stürmen. Dabei eine Ruhe und Gelassenheit ausstrahlend, die ansteckend ist, die wie ein Funke überspringt.

Der Blick in das uralte und doch niemals gleiche Spiel der Flammen beruhigt und die Gedanken beginnen zu streunen. Ganz plötzlich und ohne Vorwarnung lösen sich die Probleme, die man eben noch für schwerwiegend gehalten hat, in Rauch auf, der von einem leichten Windhauch durch die Bäume davongetragen wird. Worte, die einem schwer auf der Zunge lasteten, verschwinden und werden unwichtig. Sie weichen einer inneren Ruhe und plötzlich sind es kleine Dinge, die man in der Hektik und Eintönigkeit des Alltags vergißt, die erzählt werden möchten.

Während das Feuer knistert und flüchtige Schattenbilder in den Samt der Nacht brennt, hält die Welt inne, hört sich für mich auf zu drehen und läßt mich in die Zeitlosigkeit reisen. Es heilt und es reinigt, es verbrennt was ich nicht mehr brauche, es wirft ein helles Licht in die dunklen Teile meines Selbst, bringt Wärme und vertreibt die Kälte, die sich unbemerkt dort eingeschlichen hat. Ein Gefühl von satt sein prickelt durch die Adern, wunschlose Zufriedenheit und es gibt nichts Wichtigeres als diesen Augenblick und das knisternde Feuer. Was gestern war und was morgen sein wird interessiert nicht wenn man vom Flammentanz gefangen genommen und nach Hause gebracht wird.

"Unser nächster Halt ist Hamm Hauptbahnhof, Ausstieg in Fahrtrichtung rechts!" Die Lautsprecherdurchsage schlägt in meine Gedankenwelt ein, ich sitze in der Bahn und vor meinem inneren Auge flackert die Erinnerung ans Feuer. Tief vergrabe ich die Nase in der weichen Wolle meines Ärmels, es riecht noch ein bißchen nach Holz und Rauch. Der Geruch des Feuergeistes, der zu ihm gehört wie das Knistern und die Wärme. Ein Lächeln hält Einzug auf meinem Gesicht während mich der Zug durch die Nacht nach Hause trägt. Und mit mir fährt ein Feuer, daß in der Seele brennt und mich an die Zeitlosigkeit erinnert.

Vielen Dank dafür. Ja, ich weiß, daß Du weißt, daß Du gemeint bist. Wer auch sonst? Schafe machen selten Feuer ... Paß auf Dich auf, Grisu ;)

Mittwoch, 22. September 2004

Schrei für die Winterseele

Heute im Fernsehen einen Beitrag zum Diebstahl des berühmten Gemäldes "Der Schrei" von Edward Munch gesehen. Und dieses Bild, bzw. Thema hat mich den ganzen Abend nicht mehr losgelassen, also habe ich mich vor den Rechner gesetzt und den Gedanken dazu einfach freien Lauf gelassen.


"Der Schrei" von Edward Munch

Sachte weht der Wind den feinen Nieselregen mal hierhin, mal dorthin. Ich schlage den Kragen meines Mantels zusammen, verstecke die Hände tief in den warmen Taschen und laufe Richtung Wald. Ich muß mich bewegen, muß Energie abbauen und außer mir ist bei dem Wetter keiner unterwegs. Die frische Luft und die Bewegung tut mir gut, ich habe mich eben noch gefühlt als wäre ich kurz davor, in die Luft zu gehen.


Im Wald ist es still, es riecht nach nassem Laub und die Bäume haben bereits begonnen, ihr buntes Herbstkleid anzulegen. Keine Menschenseele begegnet mir, sogar die wetterfesten Hundebesitzer scheinen ihren vierbeinigen Freunden heute nur eine kurze Runde um den Block zu gönnen. In mir brodelt es noch immer. All das, was ich die letzten Tage und Wochen für mich behalten habe, drängt nach außen. Jeder kennt doch das Gefühl, am liebsten toben und schreien zu wollen und dennoch die Energie zu unterdrücken, mit aller Mühe still zu bleiben.

Während dicke Tropfen von den Bäumen ihren Weg zu mir finden, kommt mir Ronja Räubertochter in den Sinn. Vor meinem inneren Auge sehe ich dieses Mädchen, wie es im Frühling durch den Wald hüpft, aus Herzenskräften schreit und ihrem Freund erklärt, daß sei ihr Frühlingsgeschrei, sie müsse sich den Winter aus dem Leib schreien. Ronja Räubertochter war meine Heldin als Kind. Ich habe diese Kinderbuch-Figur bewundert, wollte immer so sein wie sie. Ronja tut, was sie will, geht mit offenen Augen durchs Leben und ist voller Liebe für die Menschen, die sie umgeben. Ich denke darüber nach, wie oft ich mir mein eigenes "Frühlingsgeschrei" gewünscht habe. Manchmal, wenn es niemand mitbekommen hat, habe ich meinen Kopf im Kissen vergraben und geschrien, aber es war nie so befreiend, wie ich mir das gewünscht hätte. Ronjas Frühlingsgebrüll hatte nie etwas beängstigendes, es war immer etwas befreiendes.

Es ist Herbst, nicht Frühling. Mir ist niemand begegnet auf meinem Weg durch den Wald. Ich lasse die letzten Bäume hinter mir und stehe auf einer kleinen Lichtung. Der Wind zerzaust mir das Haar und feiner Nieselregen läßt es aussehen, als trüge ich tausend kleine Diamanten im Haar. Irgendwie komme ich mir ein bißchen albern vor, mitten auf dieser Lichtung zu stehen und zu fühlen, wie sich mein "Frühlingsgeschrei" ankündigt. Ich muß mir nicht den vergangenen Winter aus der Seele schreien, ich schreie den Winter aus meinem Herzen. Mit aller Macht, mit aller Lautstärke. Trotzig, wütend und mit dem Gesicht in den Wind stehe ich dort und lasse Wut und Trauer aus meinem Herzen, damit der Wind sie mitnimmt. Der Winter in meiner Seele beginnt zu schmelzen und macht Platz für den Frühling. Und das mitten im Herbst, auf einer einsamen Lichtung, mit dem Gesicht in den Wind stehend und Nieselregen, der mein Haar schmückt.

Es ist Zeit für den Schnee zu schmelzen, damit meine Seele wieder blühen kann. Es ist Zeit für die Tage, länger und wärmer zu werden. Und es wird Zeit für mich, daß ich mein Gesicht wieder der Sonne und dem Licht zuwende, denn kein Winter dauert ewig. Auch der in meinem Herzen nicht.

© Mirtana, Spätsommer 2004

Dienstag, 21. September 2004

Traum einer Erinnerung


"Betende Hände" von Albrecht Dürer

Leise schlagen Regentropfen an die Fensterscheibe. Ich bin noch nicht ganz wach und kuschel meinen schlaftrunkenen Körper in die warme Decke während ich zuschaue, wie die Tropfen langsam das Glas hinunter rinnen und draußen ein grauer Morgen heraufdämmert. Mein letzter Traum hält mich noch gefangen, läßt mich nicht los. Er war so real, daß ich nach den Händen greifen wollte während ich schon langsam aus der Traumwelt zurück kehrte.

Ich habe von sanften Händen geträumt, die mich halten und deren Berührung meine Seele erreicht hat. Sie haben alle meine Sorgen fort gestreichelt, mir Geborgenheit geschenkt und mein Inneres zur Ruhe gebracht. Jetzt sind sie fort, doch ich spüre sie immer noch. Für diese Hände gab es meine schützenden Mauern nicht und ihr Griff war vorsichtig, aber bestimmt. In meinem Traum konnte ich mich fallen lassen, sie haben mich aufgefangen. Zu wem sie gehören kann ich nicht mit Bestimmtheit sagen, aber sie haben Erinnerungen in mir geweckt. Erinnerungen an einen Moment, in dem ich mir erlauben durfte, ich selber zu sein. Ohne Maske, ohne schützende Wälle. Nur ich selber im Dunkel. Er erschien mir unendlich lang, dieser Moment, und ich habe mir gewünscht, er möge nie enden und habe doch gleichzeitig Angst gehabt, entdeckt zu werden. Dieser Augenblick war wie ein Geschenk, auch wenn ich nicht sagen kann, ob derjenige, der es mir damals gemacht hat, überhaupt mitbekommen hat, was geschehen ist. Wehmütig denke ich daran, wie lange es her ist. So viel Zeit ist seit dem vergangen, dennoch ist die Erinnerung daran so lebendig.

Mir kommen Fetzen des Gesprächs in den Sinn und ich fühle, wie der Wunsch in mir wach wird, dieses Gespräch fortzuführen. So viel ist geschehen und soviel Sehnsucht nach Dingen, die man mit Geld nicht bezahlen und manchmal auch nicht in Worte fassen kann. Es treibt mich fort von hier, es zieht mich an einen anderen Ort. Weg von einem Leben, das auf materiellen Dingen basiert. Ich weiß, die meisten Menschen in meinem Umfeld hätten kein Verständnis, wenn ich ihnen von meinem Wunsch erzähle, ein anderes Leben zu führen. Ein Leben, aufgebaut auf anderen Werten als Geld und Besitz.

Immer noch schlagen die Regentropfen an die Fensterscheibe und ich gleite langsam in einen Tagtraum. Ich lasse mich in diese warmen, weichen Hände fallen und träume davon, verstanden zu werden. Ich bin in meine Erinnerung zurück gekehrt, wo ich erzählen kann, was ich mir wünsche ohne dafür Unverständnis zu ernten, wo ich das Gefühl von Geborgenheit und Ruhe zu mir rufen kann und wo ich manchmal auch nichts sagen brauche und trotzdem verstanden werde. Hier kann ich die fremden Hände wieder in meine nehmen und ganz sanft die Fingerspitzen küssen. Langsam rutsche ich aus meinem Tagtraum wieder in den Schlaf, begleitet vom leisen Trommeln des Regens, den der Wind gegen das Fenster treibt. Und während ich schlafe, halten mich zwei fremde Hände und wachen über meinen Schlaf.

© Mirtana, Spätsommer 2004

Sonntag, 12. September 2004

Kraft in mir

Aus den Flammen geschritten,
Die Scherben meiner Liebe
Haben mir das Herz zerschnitten,
Fühl es wie heiße Hiebe
Auf eiskalter Haut.

Gelaufen durch eisige Weiten,
Gefühle erfroren im Schnee.
Sanft in den Schlaf gleiten,
Und es tut nicht mehr weh
Tief in meinem Herzen.

So manche einsame Nacht,
Schlaflos die Sterne gezählt,
Und das Dunkel über mich wacht
Hab es selbst so gewählt
Und mich nie dagegen aufgelehnt.

In mir erwacht eine Kraft.
Ich hab sie grad wieder gefühlt.
Sie hat die Macht, sie erschafft
Und hat mich so sehr aufgewühlt.
Alte Mauern reißt sie nieder.

Aus dem Dunkel geboren,
Mit unheimlicher Eleganz.
Hab sie nie verloren.
Sie fordert mich zum Tanz,
Durch Flammen, auf dem Eis.

Schmerz, der bald verweht
und in mir Platz macht
Für Kraft, die nie vergeht.
Bald alles alte weggelacht
Und aufgebrochen ins Leben.

Jetzt bin ich wieder ganz hier,
Bereit, alles dafür zu geben.
Erober mir ein neues Revier
Mein ganz eignes Leben
Ohne Trümmer, ohne alte Lasten.

Dunkle, elegante Kraft in mir,
Tritt doch heraus ans Licht.
Du bist kein scheues Tier.
Bitte, versteck Dich nicht,
Laß Dich still bewundern.

Heiße, kalte Kraft in mir,
Die Freundin, nicht Feindin war.
Ich brauch die Energie in Dir,
Die mich treibt, ganz nah,
Auf den Vulkan zum Tanz.

© Mirtana 2004

Mittwoch, 8. September 2004

Mach nur einen Schritt

Beim weiteren Aufräumen von Festplatten, Favourite Links, E-mail Fächern, etc. habe ich etwas ganz altes gefunden, eines der wenigen Dinge, die nicht verloren gegangen sind. Den muß ich irgendwann mal abgetippt und als e-mail Entwurf gespeichert haben - denn da habe ich ihn ausgegraben ;) Anyway, er paßt so schön zu meiner momentanen Stimmung, also stell ich ihn hier herein. Enjoy it - oder laßt es bleiben ;)


Sanft trocknet ein warmer Sommerwind die Wassertropfen auf meiner Haut. Es ist warm und dennoch, ich habe Gänsehaut. Hier herauf zu kommen war nicht schwer, immer nur die Leiter rauf. Jetzt stehe ich hier oben auf der Plattform und unter mir zehn Meter bis zum Wasser. Der Wind malt kleine Wellen auf die Oberfläche, so daß die Kacheln am Grund verschwommen erscheinen. Sie lassen die Höhe noch ein wenig bedrohlicher erscheinen. Vorsichtig trete ich an die Kante der Plattform, meinen Blick zieht es magnetisch in die Tiefe. In meinen Ohren höre ich meinen eigenen Puls, das Herz schlägt mir bis zum Hals. Eigentlich ist es nur ein kleiner Schritt, ein Schritt nach vorn, ein Schritt ins Leere. Dieser Turm und ich, wir haben eine Rechnung offen. Es war, als wollte er sich lustig machen über mich, jedesmal wenn ich an seinem Fuß stand und hier rauf geschaut habe. Trotzig bin ich hier rauf geklettert, hab der Verlockung nachgegeben, die von diesem Zehn-Meter-Turm ausgegangen ist. "Komm her. Na los, trau dich doch," schien er mir die ganze Zeit zu sagen. Hier oben steh ich nun, ich trau mich eben doch nicht.

An mein Ohr dringen Stimmen, die auf meinen Sprung drängen, und ich spüre die abwartenden Blicke der Menschen im Rücken, die ebenfalls hier raufgeklettert sind. Sie wollen, daß ich endlich springe und nicht mehr den Betrieb aufhalte. Mein Rückweg die Leiter hinunter ist mir also versperrt. Der Weg nach unten führt über diesen einen Schritt. Angst läßt mich dort am Rande verharren, sie blendet das Gemurmel und die Blicke aus. Das da unten ist nur Wasser, versuche ich mir zu sagen, aber das vertreibt die Angst nicht. Ich habe die Wahl, ich kann springen oder aber den langen Weg zurück zum Boden wählen. Die Versuchung, mich umzudrehen, geschlagen zu geben, ist groß, aber ich rühre mich nicht. Weder nach vorne in die Tiefe, noch zurück zum sicheren Weg, der Leiter. Ich stehe einfach dort, schließe die Augen und fühle den warmen, sanften Sommerwind auf meiner Haut. Es ist, als würde selbst der Wind mir sagen "Es ist nicht schwer, es ist doch nur ein Schritt, laß Dich einfach fallen."

Noch ein langer Blick nach unten, noch einmal tief eingeatmet und ich gehe mit geöffneten Augen diesen einen Schritt nach vorne, lasse mich in die Tiefe fallen. Ich weiß, ein Mensch überwindet diese zehn Meter in ein, vielleicht zwei Sekunden. Doch in diesem einen Augenblick dehnt sich die Zeit für mich, ich sehe die Wasseroberfläche wie in Zeitlupe näher kommen, bis ich endlich eintauche. Und ich tauche tief in das überraschend kalte Wasser ein, lasse mich einfach sinken. Die Kälte scheint meinen Herzschlag zu stoppen und die Zeit dehnt sich zur Ewigkeit. Meine Lungen fühlen sich an, als würden sie jeden Augenblick bersten und ich atme einfach aus, sehe die kostbare Atemluft wie schillernde Perlen nach oben steigen. Einen kurzen Augenblick schwebe ich bewegungslos im Wasser. Dieser Augenblick dehnt sich für mich zu meiner Ewigkeit und schenkt mir seinen Zauber, vollkommen schwerelos zu sein. Ich möchte ewig hier verharren, so leicht und ohne Ballast. Meine Lungen erinnern mich daran, daß es an der Zeit ist zur Oberfläche zurück zu kehren. Mit kraftvollen Bewegungen durchbreche ich die Oberfläche des Wassers, meine Lungen konsumieren gierig Sauerstoff. Ich fühl, wie das Adrenalin immer noch durch meinen Körper rast.

Mit ruhigen Zügen schwimme ich an den Rand des Beckens, ziehe mich aus dem Wasser und werfe einen letzten Blick auf den Sprungturm. Mein Herz pocht immer noch ziemlich aufgeregt während dieses Blickes. Von hier unten sieht es gar nicht mehr so hoch aus. Ich dreh mich um und gehe. Jetzt weiß ich, ich werde immer wieder springen. Ich hab den Bann gebrochen, der von diesem Turm ausgeht, der so unschuldig in der Sonne steht.

© Mirtana 1999

Freitag, 3. September 2004

Spiegelbild

Ich vergeude meine Zeit auf meine Weise,
Treibe ohne mich zu wehren mit dem Strom.
Nur meine innere Stimme warnt mich leise,
Was Du mit Dir tust, ist für Dich nicht gut.
Hey, was ist los, wo ist Dein ganzer Mut?
Warum hast Du aufgegeben, sag es schon.

Schau in den Spiegel, schau Dich an,
Betrachte, was von Dir geblieben ist.
Warum nur hast Du Dir all das angetan?
Du warst mal voller Pläne, voller Lachen,
Wolltest viel aus Deinem Leben machen.
Ich frage Dich: Weißt Du, wer Du bist?

Ich kann der Stimme keine Antwort geben.
Dabei ist sie doch ein Teil von mir.
Durch den Raum ganz sachte schweben
Erinnerungen an gute Zeiten, wie es einmal war.
So wird's nie wieder, das ist mir lange klar.
Und ich möchte ganz weit weg von hier.

Du weißt, das kann keine Lösung für Dich sein.
Selbst der Spiegel sagt, du kommst nicht weit.
Hey, Du glaubst es zwar, aber Du bist nicht allein.
Weißt Du, was Dein Herz wirklich will?
Du hast es nicht gefühlt, es war nie still,
Es hat Dir gesagt, alles heilt die Zeit.

Sieh deinen Schmerz als ein Zeichen,
Du kannst ihn in Deinen Augen sehen.
Es ist Dein Leben, stell die Weichen,
Richtung Leben, Richtung Lachen.
Und laß Dir keine Angst davor machen,
Den ersten Schritt mußt Du alleine gehen.

© Mirtana 2004

Donnerstag, 2. September 2004

Weil Du wichtig bist für mich

Manchmal, da denk ich an Dich,
Weil Du wichtig bist für mich.
Hast ungezählte Male zugehört
Und Dich niemals beschwert.

Ich bräucht ein ganzes langes Leben,
Um dir nur etwas zurück zu geben.
Egal worum es bei mir geht,
Keiner, der so gut versteht.

Es gibt manchmal einfach Tage,
An denen ich mich frage:
Warum tust Du das eigentlich?
Was springt heraus dabei für Dich?

Laut werd ich das niemals fragen.
Nur meine Augen werden's wagen,
In meinem Blick ist es zu sehen,
Aber wirst Du auch das verstehen?

Versuche, meinen Blick zu verstecken.
Doch ich glaub, Du wirst entdecken,
Was ich sonst zu verbergen such,
Als wär ich ein aufgeschlagenes Buch.

Du hast mir manches Mal erklärt,
Daß man im Leben immer lernt.
Hast mein Unverständnis oft ertragen,
Es ist an der Zeit, Dir dafür Dank zu sagen.

Ich kenne keinen großen Teil von Dir,
Doch das bißchen reichte mir.
Mag sich mein Weg von Deinem trennen,
Ich werd Dich überall wieder erkennen.

Gibt es Zufall, das frag ich mich.
Mittlerweile denk ich, eher nicht.
Dahinter steckt bestimmt ein Sinn,
Daß ich Dir über den Weg gelaufen bin.

Vielleicht auch nur, damit ich seh,
Daß ich nie alleine meine Wege geh.
Wer weiß, irgendwann in meinem Leben,
Kann ich Dir etwas davon zurück geben.

© Mirtana 2004

Mittwoch, 1. September 2004

Komm her zu mir

Ich hab Dich um Deine Mauern gebracht,
Im zauberhaften Dunkel dieser einen Nacht.
Sie wird noch lange nicht verblassen,
Die Erinnerung, Dich vergessen zu lassen.

Komm mal her zu mir, ganz nah.
Laß Dich in die Arme schließen.
Ich bin hier, bin grade da,
Laß die Tränen einfach fließen.
Im Dunkel seh ich sie nicht.

Wer hat Deine Mauern nur so ruiniert,
Daß Dich Dein Leben gar nicht interessiert?
Ich kann in Dein Inneres sehen,
Und fühl Dein stummes Flehen.

Komm mal her zu mir, ganz nah.
Laß uns von Geheimnissen erzählen.
Ich bin hier, bin grade da,
Vergiß die Dämonen, die Dich quälen.
Ich wache über Deinen Schlaf.

Was interessiert Dich denn der Morgen?
Fühl Dich hier und jetzt bei mir geborgen.
Kein Grund sich verzweifelt zu wehren,
Erlaub Dir, Dich im Zauber zu verlieren.

Komm mal her zu mir, ganz nah.
Gib Dich mir ohne große Worte hin.
Ich bin hier, bin grade da,
Du weißt doch, was ich bin.
Ich sperr die Welt aus diese Nacht.

Du warst gelöst, bei mir entspannt.
Keine innere Stimme, die Dich ermahnt.
Komm noch einmal her zu mir
Und ich verliere mich mit Dir.


© Mirtana 2004

Immanuel Kant:

"Handle so, daß die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könnte."

deutscher Philosoph
(1724 - 1804)

In aller Kürze

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"Der beliebteste Fehler unter Leuten, die etwas absolut idiotensicheres konstruieren wollen, ist der, daß sie den Erfindungsreichtum von absoluten Idioten unterschätzen."
Douglas Adams,
britischer Schriftsteller


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"I don't know half of you as well as I should like, and I like half of you less than you deserve."
J.R.R. Tolkien,
Lord of the Rings


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“And all those exclamation marks, you notice? Five? A sure sign of someone who wears his underpants on his head.”
Terry Pratchett,
Mummenschanz

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