The Black Wolf's Den: Meins?
 

Dienstag, 8. Januar 2008

Meins?

Der nette kleine Zusatz vor einem Wort, der da lautet "mein", schimpft sich in der Grammatik Possessivpronomen. Tolles Wort, welches wiederum nichts anderes heißt als besitzanzeigendes Fürwort. Das kleine Wörtchen "Besitz" merken wir uns an dieser Stelle einmal. Possessivpronomen sind Pronomen, die ein Abhängigkeitsverhältnis (oft ein konkretes Besitzverhältnis) zum Referenten ausdrücken (mein Haus, ihre Oma) - sagt Wikipedia.

In den meisten Lebenslagen habe ich nichts gegen das kleine Wort "mein" einzuwenden. Macht es doch von vorne herein klar, wessen Bücher das sind oder in welcher Beziehung dieser Mensch als meine Mutter zu mir steht. Was mir allerdings jedesmal in schöner Regelmäßigkeit Schauer des Entsetzens die Wirbelsäule hinunter schickt, ist die Auffassung, die sich hinter "Das ist mein/e Freund/in" versteckt. Wo dieses kleine, simple Wörtchen zum Ausdruck einer ganzen Einstellung wird. Keine Sorge, mittlerweile habe ich mir auch abgewöhnt, daraufhin die Frage zu stellen, wo man denn eine/n solche/n Freund/in käuflich erwerben kann ...

Ich glaube schlicht und einfach daran, daß die Art und Weise wie wir Sprache benutzen, eine Menge über unser Denken und unsere Einstellungen verrät. Wenn ich darüber nachdenke, dann habe ich irgendwann aufgehört damit, "mein Freund" zu sagen. Ich habe stattdessen "die bessere Hälfte" (mit Augenzwinkern) oder "der Herzallerliebste" oder auch mal "die Nervensäge an meiner Seite" gesagt. Und auch heute sage ich nicht "mein Ex-Freund" sondern ehemals bessere Hälfte. Denn er ist schließlich immer noch Freund - wenn auch anders als das früher mal war.

Einfach, weil ich irgendwann zu der Überzeugung gelangt bin, daß mir die ehemals bessere Hälfte nicht gehörte und es sich somit verbietet, ihn als "meinen Freund" zu titulieren. So einen Aufstand wegen eines kleinen Wortes zu veranstalten, mag überzogen erscheinen - war für mich aber verbunden mit einer langen Kette von Erkenntnissen und der Verschiebung meiner Einstellung.

Immer wieder fällt mir das in meiner Umgebung auf - da geht mit "mein" der ganze Katalog an Besitzansprüchen und eingeforderten Rechten einher. Und damit kann ich nichts mehr anfangen. Der Mensch, mit dem ich zusammen bin, gehört mir nicht und irgendwie ist es vermessen, es als ein gegebenes Recht einzufordern, daß Zeit, Gefühle, Gedanken und was weiß ich nicht noch nur noch mir zu gehören hat. Das ist kein Zeichen von Zugehörigkeit oder gar Respekt, sondern Besitzdenken und Unsicherheit.

So ein kleines Wort. So ein großer Unterschied. Für mich selber. In dem Bewußtsein, was "Possessivpronomen" aussagt. Keine Option für mich. Und das ist gut so.

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catebanshee - 8. Jan, 12:58

*beeindruckt bin*

das ist einer der gründe, warum ich so gern deinen blog lese: die zeitweise tiefgründigkeit, die mir in meinem umfeld und oft auch in meinen gedankengängen abgeht.

zum beispiel vor einigen minuten: da haben die beiden mädels links und rechts von mir angefangen, das verhalten von volksgruppen jeglicher art zu verallgemeinern... bis hin dazu, dass politiker dran schuld seien, dass alles teurer wird...

*seufz*
ich gehör hier nicht hin -.-

Zeitungsleser (anonym) - 8. Jan, 16:49

Wie sieht es mit "deinem" Vater aus oder "deiner" Mutter? Die gehören dir im engeren Sinne doch wohl auch nicht oder? Meiner bescheidenen Meinung nach ist deine Auslegung doch arg "eng". ;)

Andreas (anonym) - 8. Jan, 20:13

Spannende Beobachtung! Gewisse Leute tragen "ihren" Freund/in ja auch wie eine Trophäe vor sich her, haha, seht her, die/den hab ich mir geangelt, Besitzansprüche inklusive. Andererseits, wenn man "mein" mit "zu mir gehörend" versteht, ist die Sprechweise vielleicht doch akzeptabel. Und inwiefern mit einem Ex-Freund noch freundschaftlich verbunden bleiben kann, ist auch eine interessante Frage, ich hab da eher schlechte Erfahrungen gemacht.

Marathy (anonym) - 9. Jan, 13:49

*Nora-Schild rausholt und umhängt* You`re my heart, you`re my soul...
*rotfl*

Marathy (anonym) - 9. Jan, 21:58

Edit: Ich kann gut nachvollziehen, was Du meinst - doch ich denke, dass der Mensch an sich tatsächlich überhaupt nichts besitzt. Alles, was wir hier auf der Erde haben dürfen, ist nur geliehen... wenngleich der Gesetzgeber da ja noch so spitzfindige Unterschiede zwischen Eigentum und Besitz anstrebt.
Aussagen wie "mein" und "Dein" sind für mich schon lange nicht mehr besitzanzeigende Fürwörter, auch wenn ich das meinen Schülern zwangsläufig so beibringen muss. Nein, für mich sagt es eher aus, dass jemand oder etwas für eine gewisse Zeit ZU mir gehört, an meiner Seite ist. Und wenn er/sie/es eines Tages gehen möchte, dann ist das eben so.

Gute Nacht! :)
Zingtoh - 16. Jan, 11:33

in wirklichkeit gehört uns doch gar nichts, oder kann irgendwer was mitnehmen? Aber du könntest mal wieder was schreiben, langsam fragt man sich wo du abgeblieben bist!

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