Entgleist
Irgendwann mitten in der Nacht. Wozu auf die Uhr schauen? Es ist noch dunkel draußen und es wird mich kein Wecker um halb sechs aus dem Schlaf reißen. Irgendwann ins Bett gegangen. Die Decke angestarrt. Umgedreht. Die Wand angestarrt. Aufgestanden und angezogen. Neue Batterie für den MP3-Player gesucht. Schuhe an den Füßen, Musik in den Ohren. Den Schlüssel nicht vergessen. Los marschiert.
Es ist still. Die Fenster liegen im Dunkeln und ich frage mich, wer dahinter wohl nachher vom Wecker aus dem Schlaf gerissen werden wird, um zur Arbeit zu gehen. Da kann man eben nicht Nachts durch stille Straßen laufen. Das kann man nur, wenn einem die Bombe bereits um die Ohren geflogen ist.
Das Leben ist ein Bummelzug. Wir bauen Gleise, die an verschiedenen Haltepunkten vorbei führen. Überlegen uns einen Fahrplan. Und weil wir in einem Bummelzug sitzen, macht es nicht viel, wenn wir ein bißchen Verspätung haben. Wir kommen ja irgendwann doch an, schließlich folgen wir den Gleisen.
Und dann, an einem sonnigen Dezembertag, explodiert die Bombe. Zerfetzt die Gleise. Der Bummelzug springt aus seiner vorgezeichneten Bahn. In voller Fahrt. Und rauscht den Abhang hinunter. Immer schneller. Keine Chance, ihn zum Stoppen zu bringen. Stattdessen brennt Adrenalin in den Adern während man auf einen Trip durch Auf und Abs geht. Bis der kleine Bummelzug am Ende vollkommen zerschrammt zum Stehen kommt.
Ich denke daran, daß mein Wecker um halb sechs hätte klingeln sollen. Ein oder zwei Mal die Schlummertaste drücken, um dann irgendwann aufzustehen. Duschen, anziehen, Tee trinken. Der Bus um zwanzig nach sieben wäre angenehm leer gewesen. Sind ja noch Ferien. Im Büro Rechner hoch fahren. Derweil Tee aufsetzen. Liste schreiben, was zu tun ist. Arbeiten.
Kräht kein Hahn mehr nach, daß genau das morgen früh nicht passieren wird. Die einsame leere Bierflasche auf dem Bürgersteig bekommt einen wütenden Tritt verpaßt. Zerschellt mit lautem Getöse an einer Gartenmauer. Ziele, die in weite Ferne gerückt sind weil der kleine Bummelzug gerade den Abhang hinunter rast.
Ich bin kribbelig und gereizt. Wie eine Schlange, die sich gerade häutet. Noch hängt die alte Haut in großen, grauen Fetzen an einem herum während die neue darunter noch frisch und rosig ist. Weich und verletzlich. Man kann eben nicht sagen, wie sich die neue Haut so macht, wenn man die alte noch nicht ganz los ist.
Tja Kind, da mußt du wohl durch. Viel tun kannst du nicht, bis der Zug zum Stehen kommt. Und dann? Ja, dann wirst du das tun, was du immer tust. Den kleinen Bummelzug wieder fahrtauglich machen und zurück auf die neu gebauten Gleise bringen. Das kennen wir doch alles schon zur Genüge. Das Leben fragt eben nicht danach, ob Du was gegen die Speisefolge einzuwenden hast. Es serviert. Und gegessen wird, was auf den Tisch kommt. Für Fair Play hat sich das Leben halt nicht eingeschrieben. Da hilft auch kein wütendes Knurren, daß sich dein Fahrplan gerade in Nichts aufgelöst hat.
Ich werde morgen um siebzehn Uhr nicht mit dem Gefühl zur Bushaltestelle laufen, mein Pensum geschafft zu haben. Mit Glück schaffe ich es, bis dahin aufgestanden zu sein. Und mich dabei nicht zu fragen, warum ich nicht einfach liegen bleibe. Es bleibt die kleine, nagende Frage, was passiert, wenn ich nicht mehr auf die Gleise zurück finde. Als ich endlich in mein Bett gefunden habe, verschwindet diese Frage. Morgen ist alles wieder gut.
Es ist still. Die Fenster liegen im Dunkeln und ich frage mich, wer dahinter wohl nachher vom Wecker aus dem Schlaf gerissen werden wird, um zur Arbeit zu gehen. Da kann man eben nicht Nachts durch stille Straßen laufen. Das kann man nur, wenn einem die Bombe bereits um die Ohren geflogen ist.
Das Leben ist ein Bummelzug. Wir bauen Gleise, die an verschiedenen Haltepunkten vorbei führen. Überlegen uns einen Fahrplan. Und weil wir in einem Bummelzug sitzen, macht es nicht viel, wenn wir ein bißchen Verspätung haben. Wir kommen ja irgendwann doch an, schließlich folgen wir den Gleisen.
Und dann, an einem sonnigen Dezembertag, explodiert die Bombe. Zerfetzt die Gleise. Der Bummelzug springt aus seiner vorgezeichneten Bahn. In voller Fahrt. Und rauscht den Abhang hinunter. Immer schneller. Keine Chance, ihn zum Stoppen zu bringen. Stattdessen brennt Adrenalin in den Adern während man auf einen Trip durch Auf und Abs geht. Bis der kleine Bummelzug am Ende vollkommen zerschrammt zum Stehen kommt.
Ich denke daran, daß mein Wecker um halb sechs hätte klingeln sollen. Ein oder zwei Mal die Schlummertaste drücken, um dann irgendwann aufzustehen. Duschen, anziehen, Tee trinken. Der Bus um zwanzig nach sieben wäre angenehm leer gewesen. Sind ja noch Ferien. Im Büro Rechner hoch fahren. Derweil Tee aufsetzen. Liste schreiben, was zu tun ist. Arbeiten.
Kräht kein Hahn mehr nach, daß genau das morgen früh nicht passieren wird. Die einsame leere Bierflasche auf dem Bürgersteig bekommt einen wütenden Tritt verpaßt. Zerschellt mit lautem Getöse an einer Gartenmauer. Ziele, die in weite Ferne gerückt sind weil der kleine Bummelzug gerade den Abhang hinunter rast.
Ich bin kribbelig und gereizt. Wie eine Schlange, die sich gerade häutet. Noch hängt die alte Haut in großen, grauen Fetzen an einem herum während die neue darunter noch frisch und rosig ist. Weich und verletzlich. Man kann eben nicht sagen, wie sich die neue Haut so macht, wenn man die alte noch nicht ganz los ist.
Tja Kind, da mußt du wohl durch. Viel tun kannst du nicht, bis der Zug zum Stehen kommt. Und dann? Ja, dann wirst du das tun, was du immer tust. Den kleinen Bummelzug wieder fahrtauglich machen und zurück auf die neu gebauten Gleise bringen. Das kennen wir doch alles schon zur Genüge. Das Leben fragt eben nicht danach, ob Du was gegen die Speisefolge einzuwenden hast. Es serviert. Und gegessen wird, was auf den Tisch kommt. Für Fair Play hat sich das Leben halt nicht eingeschrieben. Da hilft auch kein wütendes Knurren, daß sich dein Fahrplan gerade in Nichts aufgelöst hat.
Ich werde morgen um siebzehn Uhr nicht mit dem Gefühl zur Bushaltestelle laufen, mein Pensum geschafft zu haben. Mit Glück schaffe ich es, bis dahin aufgestanden zu sein. Und mich dabei nicht zu fragen, warum ich nicht einfach liegen bleibe. Es bleibt die kleine, nagende Frage, was passiert, wenn ich nicht mehr auf die Gleise zurück finde. Als ich endlich in mein Bett gefunden habe, verschwindet diese Frage. Morgen ist alles wieder gut.
Dunkle Wolken - 3. Jan, 04:10
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