Kleines Gedankenspiel
Stellen wir uns einen Mann und eine Frau vor. Ein typisch deutsches Ehepaar mit einem Häuschen und zwei Kindern. Zu dem Häuschen gehört ein großer Garten mit viel Rasen, wo die Kinder toben können. Es ist ein schöner, sonniger Samstag und abends wird der Geburtstag der Frau gefeiert. Die Frau bittet also ihren Mann, der gerade am Rechner sitzt, kritische Nachrichten liest und sich kopfschüttelnd seine eigenen Gedanken macht, doch bitte noch den Rasen zu mähen und das ein oder andere in der Stadt zu besorgen.
Der Mann hat einen dieser Rasenmäher, die man mit Benzin betreiben muß. Er stellt fest, daß der Tank leer ist. Also führt sein erster Weg zur Tankstelle, wo er seinen Wagen volltankt und noch zwei Kanister Benzin erwirbt. Im Supermarkt kauft er Grillwürstchen, Pappteller, Gelierzucker und zwei Kasten Bier. Auf dem Einkaufszettel, dem ihm seine Frau geschrieben hat, steht auch drauf, er solle bitte im Haushaltswarenladen an der XY-Straße noch leere Flaschen kaufen. Sie hat aus den Johannisbeeren Sirup gemacht, der abgefüllt werden muß. Der Mann freut sich, er mag den selbstgemachten Johannisbeer-Sirup. Auch soll er bitte Stoffreste besorgen, denn die Frau hat festgestellt, daß die Sitzkissen für die Gartenmöbel Löcher haben. Auch das macht der brave Ehemann.
Als er wieder zu Hause ist, mäht er den Rasen, baut Tische und Stühle auf, da bringt ihm seine Frau das Telefon. Sein Bruder ist dran. Man plaudert kurz und der Bruder stellt fest, daß er sich auf das Spektakel freue, das werde bestimmt großartig. Die Frau hat alles vorbereitet und auch der Mann ist fertig mit dem Garten. Sie haben noch eine Stunde Zeit. Die Frau macht sich fertig und belegt das Badezimmer, der Mann surft durch das Internet und landet auf einer Seite, auf der eine Demonstration angekündigt wird. Dort verbringt er vielleicht fünf Minuten, liest und überlegt dabei, wogegen genau die Demonstranten protestieren wollen und ob sie Erfolg haben könnten.
Die Feier beginnt, man sitzt unter Freunden im Garten und lacht, grillt, erzählt und diskutiert. Plötzlich platzt ein Trupp Polizisten in die Szene und nimmt den Ehemann fest. Warum? Das wird er sich fragen. Nun, ihm wird erklärt, man habe den Verdacht, er plane auf einer Demonstration den Einsatz von Gewalt. Da sitzt er nun in einem Verhörzimmer statt im Kreise seiner Familie und Freunde im Garten und ist nicht mehr der Gastgeber einer Geburtstagsfeier, sondern Verdächtiger.
Ihm wird vorgeworfen, die nötigen Zutaten für Molotov-Cocktails erworben, sich mit seinem Bruder verschworen und sich auf einschlägigen Internet-Seiten herum getrieben zu haben. Nun liegt es an ihm, das Gegenteil zu beweisen ...
Noch ist das reine Fiktion. Fragt sich nur, wie lange noch?
Edit: Aufgrund einer Nachfrage gebe ich diesen Text unter der Bedingung, daß er nicht verändert wird, explizit frei. Wer mag, kann ihn gerne kopieren und weiter verbreiten. Und wer höflich ist, sagt mir auch Bescheid ;-)
Der Mann hat einen dieser Rasenmäher, die man mit Benzin betreiben muß. Er stellt fest, daß der Tank leer ist. Also führt sein erster Weg zur Tankstelle, wo er seinen Wagen volltankt und noch zwei Kanister Benzin erwirbt. Im Supermarkt kauft er Grillwürstchen, Pappteller, Gelierzucker und zwei Kasten Bier. Auf dem Einkaufszettel, dem ihm seine Frau geschrieben hat, steht auch drauf, er solle bitte im Haushaltswarenladen an der XY-Straße noch leere Flaschen kaufen. Sie hat aus den Johannisbeeren Sirup gemacht, der abgefüllt werden muß. Der Mann freut sich, er mag den selbstgemachten Johannisbeer-Sirup. Auch soll er bitte Stoffreste besorgen, denn die Frau hat festgestellt, daß die Sitzkissen für die Gartenmöbel Löcher haben. Auch das macht der brave Ehemann.
Als er wieder zu Hause ist, mäht er den Rasen, baut Tische und Stühle auf, da bringt ihm seine Frau das Telefon. Sein Bruder ist dran. Man plaudert kurz und der Bruder stellt fest, daß er sich auf das Spektakel freue, das werde bestimmt großartig. Die Frau hat alles vorbereitet und auch der Mann ist fertig mit dem Garten. Sie haben noch eine Stunde Zeit. Die Frau macht sich fertig und belegt das Badezimmer, der Mann surft durch das Internet und landet auf einer Seite, auf der eine Demonstration angekündigt wird. Dort verbringt er vielleicht fünf Minuten, liest und überlegt dabei, wogegen genau die Demonstranten protestieren wollen und ob sie Erfolg haben könnten.
Die Feier beginnt, man sitzt unter Freunden im Garten und lacht, grillt, erzählt und diskutiert. Plötzlich platzt ein Trupp Polizisten in die Szene und nimmt den Ehemann fest. Warum? Das wird er sich fragen. Nun, ihm wird erklärt, man habe den Verdacht, er plane auf einer Demonstration den Einsatz von Gewalt. Da sitzt er nun in einem Verhörzimmer statt im Kreise seiner Familie und Freunde im Garten und ist nicht mehr der Gastgeber einer Geburtstagsfeier, sondern Verdächtiger.
Ihm wird vorgeworfen, die nötigen Zutaten für Molotov-Cocktails erworben, sich mit seinem Bruder verschworen und sich auf einschlägigen Internet-Seiten herum getrieben zu haben. Nun liegt es an ihm, das Gegenteil zu beweisen ...
Noch ist das reine Fiktion. Fragt sich nur, wie lange noch?
Edit: Aufgrund einer Nachfrage gebe ich diesen Text unter der Bedingung, daß er nicht verändert wird, explizit frei. Wer mag, kann ihn gerne kopieren und weiter verbreiten. Und wer höflich ist, sagt mir auch Bescheid ;-)
Rudel-Ranting - 18. Apr, 17:28
Trackbacks zu diesem Beitrag
unkreativ.twoday.net - 19. Apr, 10:29
Mirtanas Gedankenspiel
Nicht so weit weg, wie man hoffen... [weiter]
Stefan (anonym) - 19. Apr, 00:31
Schock
Die Wandlung am Ende hatte ich ja gar nicht erwartet. Schönes, wenn auch erschreckendes, Gedankenspiel.
Mirtana - 19. Apr, 13:46
In der Hoffnung, daß es genau das bleibt: Ein Gedankenspiel.
Berkana (anonym) - 19. Apr, 09:00
Hoffentlich niemals
obwohl es solcherlei Dinge ja schon gegeben hat.
Da wurden Namen und Adressen verwechselt und plötzlich stand ein SEK in der Wohnung, ohne Rücksicht auf Verluste. Dann gibt es höchstens eine banale Entschuldigung, wenn überhaupt; und das wars dann.
Der Schock, den die zu Unrecht Verdächtigten und ihre Familie erlitten haben und an dem sie oft ein Leben lang leiden werden; interessiert hier die Behörden nicht.
Anstatt richtig zu recherchieren wird blindwütig drauf losgestürmt obwohl es ein leichtes wäre das Ganze schon im Vorfeld zu verhindern.
Da wurden Namen und Adressen verwechselt und plötzlich stand ein SEK in der Wohnung, ohne Rücksicht auf Verluste. Dann gibt es höchstens eine banale Entschuldigung, wenn überhaupt; und das wars dann.
Der Schock, den die zu Unrecht Verdächtigten und ihre Familie erlitten haben und an dem sie oft ein Leben lang leiden werden; interessiert hier die Behörden nicht.
Anstatt richtig zu recherchieren wird blindwütig drauf losgestürmt obwohl es ein leichtes wäre das Ganze schon im Vorfeld zu verhindern.
Mirtana - 19. Apr, 13:45
Irrtümer passieren und es gibt dutzende von Arten, wie man damit umgehen kann. Niemand ist perfekt und auch eine Strafverfolgung ist es nicht, eine Verwechslung kann passieren auch wenn sie es nicht dürfte. Worauf ich hinaus will mit dem einfachen Beispiel: Wie schnell es passieren kann, daß man selber zum Verdächtigen wird wenn Schäuble seine "Anti-Terror-Maßnahmen" durch bekommt.
chagall - 19. Apr, 14:48
Liebe Mirtana,
darf ich mir bitte diesen Text kopieren und unter Nennung Deines Namens weiterverteilen? Besser kann man es nur schwer auf den Punkt bringen. Kompliment an Dich!
Liebe Grüsse
Regina
darf ich mir bitte diesen Text kopieren und unter Nennung Deines Namens weiterverteilen? Besser kann man es nur schwer auf den Punkt bringen. Kompliment an Dich!
Liebe Grüsse
Regina
Mirtana - 19. Apr, 15:02
Natürlich darfst Du das. Wer so nett fragt ;-)
Vielen Dank für das Kompliment.
Vielen Dank für das Kompliment.
chagall (anonym) - 23. Apr, 13:02
Vielen Dank! Dann verteile ich das morgen mal unter meinen Studenten. Natürlich mit Deinem Namen.
Liebe Grüsse
Regina
Liebe Grüsse
Regina
bitter_twisted - 19. Apr, 15:16
Häufig reale Situation
I den 70ern, in Südafrika, als es noch keine Videorekorder gab, gab es 16mm Filmverlei. Es wurde richtig Mode einenen Filmabend mit Feunden zu veranstalten.
Leider luden sich häufig ungeladene Gäste in der Form von Polizei zu diesen Abenden ein, die dann darauf bestanden das ganze Programm mit an zu sehen und sicher zu stellen das nichts verbotenes gezeigt wurde.
Auch wenn man nichts zu verbergen hatte, die Gemütlichkeit war trotzdem hin.
Leider luden sich häufig ungeladene Gäste in der Form von Polizei zu diesen Abenden ein, die dann darauf bestanden das ganze Programm mit an zu sehen und sicher zu stellen das nichts verbotenes gezeigt wurde.
Auch wenn man nichts zu verbergen hatte, die Gemütlichkeit war trotzdem hin.
Ni-Laan (anonym) - 20. Apr, 00:57
Hallo
Ich habe mir den Text auch kopiert und in meinen Blog gestellt.
Ich denke dieses Gedankenspiel ist nicht mehr allzu fern,leider...
lieber Gruß
Ni-Laan
Ich denke dieses Gedankenspiel ist nicht mehr allzu fern,leider...
lieber Gruß
Ni-Laan
Mirtana - 20. Apr, 02:23
Vielen Dank.
corpseprincess - 22. Apr, 08:58
Huhu!
Hab mir den Text mal gemopst und bei http://www.madgoth.de gepostet zur Diskussion.Natürlich mit Quellenangabe.:)
Hab mir den Text mal gemopst und bei http://www.madgoth.de gepostet zur Diskussion.Natürlich mit Quellenangabe.:)





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