The Black Wolf's Den: Rinse & Repeat
 

Mittwoch, 23. August 2006

Rinse & Repeat

Der Blick in den Briefkasten muß ja nicht immer negativ sein, ab und an finde ich dort auch etwas, was mich auf den ersten Blick freut. So auch gestern. Mein sogenannter Fallmanager meldete sich mit einem netten Schreiben bei mir:
Sehr geehrte Frau Mirtana,

ich freue mich, Ihnen folgende Stelle vorschlagen zu können. Bitte teilen Sie mir das Ergebnis Ihrer Bemühungen mit.

Mit freundlichen Grüßen


Fallmanager

Da freut man sich doch, daß es dort anscheinend jemandem gibt, der einem helfen möchte. Voll freudiger Erwartung liest man also das Stellenangebot und nach zwei Minuten ist man dann nicht mehr freudig erregt, sondern unfreundlich verärgert. Gleichzeitig stellt sich die Frage, ob der gute Mann eigentlich des Lesens mächtig ist. Den folgenden Dialog habe ich mittlerweile gute sechs oder sieben Mal durch exerziert – egal ob am Telefon oder persönlich von Angesicht zu Angesicht. Heute traf meine Wahl auf das Telefon.

Fallmanager: "Guten Tag, mein Name ist FM. Wie kann ich Ihnen helfen?"

Ich: "Guten Tag Herr FM. Mein Name ist Mirtana, meine BG-Nummer ist 123456 und ich hätte da eine Frage bezüglich Ihres letzten Schreibens."

FM: "Einen Moment bitte, ich rufe das eben auf."

Ich: "Kein Problem, lassen Sie sich Zeit."

FM: "So, ich hab das jetzt auf dem Bildschirm. Haben Sie sich bereits beworben?"

Ich: "Nein. Und ich werde auch keine acht bis zehn Euro ausgeben für eine sehr definitive Absage."

FM – sehr verdattert: "Ja aber, Sie müssen sich doch da bewerben. Sonst kriegen Sie doch Abzüge und so, das wissen Sie sicherlich. Woher wollen Sie denn gleich wissen, daß Sie abgelehnt werden!"

Ich: "Dessen bin ich mir durchaus bewußt. Was sich mir nun nicht so ganz erschließt ist die Tatsache, warum Sie mir Stellenangebote schicken für Stellen, für die ich nun wirklich nicht geeignet bin."

FM: "Wieso sind denn dafür nicht geeignet?"

Ich: "Haben sie das Stellenangebot gelesen?"

FM: "Ja, natürlich"

Ich: "Haben Sie mein Profil gelesen?"

FM – leicht biestig: "Worauf wollen Sie denn jetzt hinaus?"

Ich: "Auf die kleine aber bedeutende Tatsache, daß ich in den letzten vier Wochen immer noch kein Russisch (wahlweise auch Türkisch) gelernt habe. Ganz zu schweigen davon, daß ich diese Sprache nicht einmal ansatzweise spreche."

FM: "Was hat das denn mit der Bewerbung zu tun?"

Ich: "Für diese Stelle wird explizit verlangt, daß man fließend Russisch (wahlweise auch Türkisch) in Wort und Schrift spricht ..."

FM – nach kurzem Schweigen: "Oh."

Ich: "Genau. Oh trifft es da schon ganz gut."

FM: "Da macht eine Bewerbung ja wirklich wenig Sinn."

Ich: "Das haben Sie treffend formuliert."

FM: "Was machen wir denn da jetzt?"

Ich – dezent sarkastisch: "Sie könnten mir einen Intensiv-Kurs Russisch (wahlweise auch Türkisch) genehmigen, dann spreche ich die Sprache in ein paar Monaten und wir müssen diesen Dialog nicht mehr führen."

FM: "Also ob das geht, weiß ich jetzt auch nicht. Englisch könnte ich Ihnen anbieten."

Ich: "Das wird mir nicht viel bringen, im letzten Kurs, den Ihre Behörde mir verordnet hat, sprach ich besser Englisch als der Dozent ..."

FM: "Oh. Dann wird Ihnen ja ein Anfängerkurs nicht viel bringen, dafür hätte ich noch Plätze frei."

Ich: "Das nehme ich an, Englisch gehört zu meinem täglichen Leben."

FM: "Wie kann ich Ihnen denn noch weiterhelfen?"

Ich: "Wenn wir uns darauf einigen könnten, daß Sie nicht mehr von mir verlangen, daß ich Geld für aussichtslose Bewerbungen ausgeben soll. Damit wäre mir schon einmal geholfen."

FM: "In Ordnung, ich mach mir da mal eine Notiz in Ihr Profil."

Ich: "Vielen Dank. Ich wünsche Ihnen noch einen angenehmen Tag."

FM: "Danke gleichfalls."


Jetzt bin ich ja mal gespannt, wie lange es dauert, bis der gute Mensch seine mittlerweile sechs oder sieben Notizen, daß ich weder Russisch noch Türkisch spreche, auch liest wenn er mich mit Stellenangeboten beglückt. Und ich habe nicht einmal einen russisch oder türkisch klingenden Nachnamen ...

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Trackbacks zu diesem Beitrag

unkreativ.twoday.net - 23. Aug, 13:03

real life

Mirtana und der t [weiter]
unkreativ.net - 23. Aug, 13:02

Ich bin wiedermal fassungslos, wie wenig flexibilität und engagement Du zeigst. Ein Sprachkurs auf Kassette hätte es für das Jobangebot doch auch getan, zumal Du ja vermutlich ein Angebot der Mafia, einer Drückerkolonne oder eines Menschenhändlerrings in den Händen hattest *lol*

:-D

Take it easy. Er wollte helfen. Oder so :-D

Mirtana - 23. Aug, 13:08

Das stell ich mir sehr witzig vor wenn ich dann mit einem Kunden oder Fahrer oder wem auch immer per Kassette kommuniziere ;-)
schmittskatze - 23. Aug, 13:44

Du könntest DIr doch einen Dolmetscher an die Seite stellen lassen, dann haben gleich zwei Leute Arbeit.

Mirtana - 23. Aug, 13:46

Das wär 'ne Lösung ... Welchen Antrag muß ich dafür ausfüllen? In wievielfacher Durchschrift wo einreichen? ;-)
loewenzahn (anonym) - 24. Aug, 01:41

Oh Mann. Das du da so ruhig geblieben bist am Telefon? Ich glaube, ich wäre wirklich wütend.
Naja, und dann wundert man sich, dass es so viele Stellen und so viele Arbeitslose gibt...

Mirtana - 24. Aug, 01:52

Beim ersten Mal war ich wütend. Beim zweiten Mal frustriert. Beim dritten Mal gelangweilt. Danach amüsiert man sich ;-)

Immanuel Kant:

"Handle so, daß die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könnte."

deutscher Philosoph
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