Mach nur einen Schritt
Beim weiteren Aufräumen von Festplatten, Favourite Links, E-mail Fächern, etc. habe ich etwas ganz altes gefunden, eines der wenigen Dinge, die nicht verloren gegangen sind. Den muß ich irgendwann mal abgetippt und als e-mail Entwurf gespeichert haben - denn da habe ich ihn ausgegraben ;) Anyway, er paßt so schön zu meiner momentanen Stimmung, also stell ich ihn hier herein. Enjoy it - oder laßt es bleiben ;)
Sanft trocknet ein warmer Sommerwind die Wassertropfen auf meiner Haut. Es ist warm und dennoch, ich habe Gänsehaut. Hier herauf zu kommen war nicht schwer, immer nur die Leiter rauf. Jetzt stehe ich hier oben auf der Plattform und unter mir zehn Meter bis zum Wasser. Der Wind malt kleine Wellen auf die Oberfläche, so daß die Kacheln am Grund verschwommen erscheinen. Sie lassen die Höhe noch ein wenig bedrohlicher erscheinen. Vorsichtig trete ich an die Kante der Plattform, meinen Blick zieht es magnetisch in die Tiefe. In meinen Ohren höre ich meinen eigenen Puls, das Herz schlägt mir bis zum Hals. Eigentlich ist es nur ein kleiner Schritt, ein Schritt nach vorn, ein Schritt ins Leere. Dieser Turm und ich, wir haben eine Rechnung offen. Es war, als wollte er sich lustig machen über mich, jedesmal wenn ich an seinem Fuß stand und hier rauf geschaut habe. Trotzig bin ich hier rauf geklettert, hab der Verlockung nachgegeben, die von diesem Zehn-Meter-Turm ausgegangen ist. "Komm her. Na los, trau dich doch," schien er mir die ganze Zeit zu sagen. Hier oben steh ich nun, ich trau mich eben doch nicht.
An mein Ohr dringen Stimmen, die auf meinen Sprung drängen, und ich spüre die abwartenden Blicke der Menschen im Rücken, die ebenfalls hier raufgeklettert sind. Sie wollen, daß ich endlich springe und nicht mehr den Betrieb aufhalte. Mein Rückweg die Leiter hinunter ist mir also versperrt. Der Weg nach unten führt über diesen einen Schritt. Angst läßt mich dort am Rande verharren, sie blendet das Gemurmel und die Blicke aus. Das da unten ist nur Wasser, versuche ich mir zu sagen, aber das vertreibt die Angst nicht. Ich habe die Wahl, ich kann springen oder aber den langen Weg zurück zum Boden wählen. Die Versuchung, mich umzudrehen, geschlagen zu geben, ist groß, aber ich rühre mich nicht. Weder nach vorne in die Tiefe, noch zurück zum sicheren Weg, der Leiter. Ich stehe einfach dort, schließe die Augen und fühle den warmen, sanften Sommerwind auf meiner Haut. Es ist, als würde selbst der Wind mir sagen "Es ist nicht schwer, es ist doch nur ein Schritt, laß Dich einfach fallen."
Noch ein langer Blick nach unten, noch einmal tief eingeatmet und ich gehe mit geöffneten Augen diesen einen Schritt nach vorne, lasse mich in die Tiefe fallen. Ich weiß, ein Mensch überwindet diese zehn Meter in ein, vielleicht zwei Sekunden. Doch in diesem einen Augenblick dehnt sich die Zeit für mich, ich sehe die Wasseroberfläche wie in Zeitlupe näher kommen, bis ich endlich eintauche. Und ich tauche tief in das überraschend kalte Wasser ein, lasse mich einfach sinken. Die Kälte scheint meinen Herzschlag zu stoppen und die Zeit dehnt sich zur Ewigkeit. Meine Lungen fühlen sich an, als würden sie jeden Augenblick bersten und ich atme einfach aus, sehe die kostbare Atemluft wie schillernde Perlen nach oben steigen. Einen kurzen Augenblick schwebe ich bewegungslos im Wasser. Dieser Augenblick dehnt sich für mich zu meiner Ewigkeit und schenkt mir seinen Zauber, vollkommen schwerelos zu sein. Ich möchte ewig hier verharren, so leicht und ohne Ballast. Meine Lungen erinnern mich daran, daß es an der Zeit ist zur Oberfläche zurück zu kehren. Mit kraftvollen Bewegungen durchbreche ich die Oberfläche des Wassers, meine Lungen konsumieren gierig Sauerstoff. Ich fühl, wie das Adrenalin immer noch durch meinen Körper rast.
Mit ruhigen Zügen schwimme ich an den Rand des Beckens, ziehe mich aus dem Wasser und werfe einen letzten Blick auf den Sprungturm. Mein Herz pocht immer noch ziemlich aufgeregt während dieses Blickes. Von hier unten sieht es gar nicht mehr so hoch aus. Ich dreh mich um und gehe. Jetzt weiß ich, ich werde immer wieder springen. Ich hab den Bann gebrochen, der von diesem Turm ausgeht, der so unschuldig in der Sonne steht.
© Mirtana 1999
Sanft trocknet ein warmer Sommerwind die Wassertropfen auf meiner Haut. Es ist warm und dennoch, ich habe Gänsehaut. Hier herauf zu kommen war nicht schwer, immer nur die Leiter rauf. Jetzt stehe ich hier oben auf der Plattform und unter mir zehn Meter bis zum Wasser. Der Wind malt kleine Wellen auf die Oberfläche, so daß die Kacheln am Grund verschwommen erscheinen. Sie lassen die Höhe noch ein wenig bedrohlicher erscheinen. Vorsichtig trete ich an die Kante der Plattform, meinen Blick zieht es magnetisch in die Tiefe. In meinen Ohren höre ich meinen eigenen Puls, das Herz schlägt mir bis zum Hals. Eigentlich ist es nur ein kleiner Schritt, ein Schritt nach vorn, ein Schritt ins Leere. Dieser Turm und ich, wir haben eine Rechnung offen. Es war, als wollte er sich lustig machen über mich, jedesmal wenn ich an seinem Fuß stand und hier rauf geschaut habe. Trotzig bin ich hier rauf geklettert, hab der Verlockung nachgegeben, die von diesem Zehn-Meter-Turm ausgegangen ist. "Komm her. Na los, trau dich doch," schien er mir die ganze Zeit zu sagen. Hier oben steh ich nun, ich trau mich eben doch nicht.
An mein Ohr dringen Stimmen, die auf meinen Sprung drängen, und ich spüre die abwartenden Blicke der Menschen im Rücken, die ebenfalls hier raufgeklettert sind. Sie wollen, daß ich endlich springe und nicht mehr den Betrieb aufhalte. Mein Rückweg die Leiter hinunter ist mir also versperrt. Der Weg nach unten führt über diesen einen Schritt. Angst läßt mich dort am Rande verharren, sie blendet das Gemurmel und die Blicke aus. Das da unten ist nur Wasser, versuche ich mir zu sagen, aber das vertreibt die Angst nicht. Ich habe die Wahl, ich kann springen oder aber den langen Weg zurück zum Boden wählen. Die Versuchung, mich umzudrehen, geschlagen zu geben, ist groß, aber ich rühre mich nicht. Weder nach vorne in die Tiefe, noch zurück zum sicheren Weg, der Leiter. Ich stehe einfach dort, schließe die Augen und fühle den warmen, sanften Sommerwind auf meiner Haut. Es ist, als würde selbst der Wind mir sagen "Es ist nicht schwer, es ist doch nur ein Schritt, laß Dich einfach fallen."
Noch ein langer Blick nach unten, noch einmal tief eingeatmet und ich gehe mit geöffneten Augen diesen einen Schritt nach vorne, lasse mich in die Tiefe fallen. Ich weiß, ein Mensch überwindet diese zehn Meter in ein, vielleicht zwei Sekunden. Doch in diesem einen Augenblick dehnt sich die Zeit für mich, ich sehe die Wasseroberfläche wie in Zeitlupe näher kommen, bis ich endlich eintauche. Und ich tauche tief in das überraschend kalte Wasser ein, lasse mich einfach sinken. Die Kälte scheint meinen Herzschlag zu stoppen und die Zeit dehnt sich zur Ewigkeit. Meine Lungen fühlen sich an, als würden sie jeden Augenblick bersten und ich atme einfach aus, sehe die kostbare Atemluft wie schillernde Perlen nach oben steigen. Einen kurzen Augenblick schwebe ich bewegungslos im Wasser. Dieser Augenblick dehnt sich für mich zu meiner Ewigkeit und schenkt mir seinen Zauber, vollkommen schwerelos zu sein. Ich möchte ewig hier verharren, so leicht und ohne Ballast. Meine Lungen erinnern mich daran, daß es an der Zeit ist zur Oberfläche zurück zu kehren. Mit kraftvollen Bewegungen durchbreche ich die Oberfläche des Wassers, meine Lungen konsumieren gierig Sauerstoff. Ich fühl, wie das Adrenalin immer noch durch meinen Körper rast.
Mit ruhigen Zügen schwimme ich an den Rand des Beckens, ziehe mich aus dem Wasser und werfe einen letzten Blick auf den Sprungturm. Mein Herz pocht immer noch ziemlich aufgeregt während dieses Blickes. Von hier unten sieht es gar nicht mehr so hoch aus. Ich dreh mich um und gehe. Jetzt weiß ich, ich werde immer wieder springen. Ich hab den Bann gebrochen, der von diesem Turm ausgeht, der so unschuldig in der Sonne steht.
© Mirtana 1999
Heulen der Woelfe - 8. Sep, 18:31
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