Wenn das Aufwachen schon mit sehr unschönen und vor allem schmerzhaften Krämpfen im Unterleib beginnt, sollte man sich das eigentlich Warnung genug sein lassen und am besten wieder ganz tief in die Bettdecke einrollen. Und weiterschlafen. Nein, ich dagegen durfte mich aus dem Bett quälen, mich dem Monster in meinem Spiegel stellen und im Stockfinsteren zur Bushaltestelle traben.
Bus fährt vor, Bus für diese Uhrzeit nicht ganz so voll wie üblich, aber immer noch voll genug. Freien Sitzplatz erspäht. Freien Sitzplatz angesteuert. Rucksack wandert auf den Sitzplatz. Frau Mirtana wird böse angestarrt. Guckt sehr böse zurück und fragt nebenbei zuckersüß, ob der Rucksack da verschwinden könne. Nö, könne er nicht, wird da gepampt. Die ältere Dame auf dem Platz gegenüber schaut konsterniert auf das jugendliche Rotzgör. Frau Mirtana fragt sich etwas, was ungefähr so klingen könnte: "Hatten wir das nicht schon einmal?"
Frau Mirtana ist, fassen wir zusammen, nicht ausgeschlafen, nicht wirklich gut gelaunt und leidet unter Hormonen. Ihr etwas zu sagen wie "Ey Alte, verpiß Disch, sitzt gleisch meine Freundin hier!" ist einfach keine gute Idee. Es sei denn, man steht darauf, seinem Rucksack dabei zu zu sehen, wie er durch die sich gerade schließende Türe des Busses fliegt. Und dabei, ganz erstaunlich, niemanden verletzt, sondern einsam und etwas beleidigt neben dem Mülleimer der Haltestelle landet.
Ja, das war überdramatisch. Und das entsetzte Gesicht auf meine böse Antwort "Ey Alte, an der Schultenbrücke kannst Du ja dann aussteigen, zurücklaufen und Deinen Rucksack einsammeln. Dann brauchst Du auch keinen Sitzplatz mehr" war meine persönliche Sahne auf dem Kakao. Neben dem lauten Gelächter des Busfahrers und dem Schmunzeln der älteren Dame.
Jetzt bin ich mal gespannt. Man hat mir ewige Rache geschworen. Wettet jemand mit mir, wieviele Brüder mir demnächst auflauern werden?