The Black Wolf's Den: 19 Dezember 2007
 

Mittwoch, 19. Dezember 2007

Papakind

Nichts ist so schlimm, als daß ich damit nicht zuerst zu meinem Vater gehe. Das erklärt vermutlich den Satz, den ich eben zu einer Freundin am Telefon von mir gegeben habe: "Jetzt ist es gut, ich hab gerade eben mit meinem Vater telefoniert."

Ähm ja, einmal Papakind, immer Papakind?

Na dann, Merry Christmas.

Ich hätte auf mein Bauchgefühl hören und einfach im Bett bleiben sollen. Unerwartete Geschenke zu Weihnachten sind nicht immer das, was man sich gewünscht hat. So wie das hier:

Sehr geehrte Frau Mirtana,

leider ist die wirtschaftliche Situation der Firma XY nicht so erfolgreich wie erwartet (ich weiß, ich kenne die Zahlen und nicht so erfolgreich ist noch arg untertrieben). Aus diesem Grund sind wir leider gezwungen, Ihr Arbeitsverhältnis mit sofortiger Wirkung zu beenden.

Tja, eiskalt erwischt. Damit habe ich nicht gerechnet. Zwei Wochen bevor die Probezeit abgelaufen wäre.

Da saß ich also, Chef und seiner Frau gegenüber. Und frage mich, ob ich im falschen Film bin. Denn die Förderung läuft noch sechs Monate und wird immer über ein Jahr abgeschlossen. Wissen die nicht, daß die das Geld dann zurück zahlen müssen?

Den Schlüssel zurück geben, Hände schütteln, locker bleiben. Während mir die Bitterkeit im Hals kitzelt, hämmert mir nur noch der Gedanke "Laß es dir nicht mal einfallen, dir was anmerken zu lassen" durch den Schädel. Also tue ich das, was ich am besten kann: es nehmen wie ein ganzer Kerl. Gute Miene zum beschissenen Spiel. Chef und seine Frau schauen unglücklich drein. Versuchen, sich zu entschuldigen. Man könne halt am Anfang des Geschäftsjahres nicht absehen, daß am Ende des Jahres rote Zahlen geschrieben würden. Ich bin äußerlich gut drauf. Shit happens und wenn man sich im Leben was aussuchen könne, dann hieße ich mit Nachnamen Hilton oder Gates.

Verabschiedung von den Kollegen. Sachen packen. Ein Gefühl, als hätte ich gerade eine Keule über die Rübe bekommen. "Haltung! Einfach nur Haltung bewahren!" hämmert die Gedankenmaschine. Ich würde das ja recht gelassen nehmen sagt der eine. Das sähe nur so aus, erwidere ich.

Ich gehe. Einen Fuß vor den anderen, Kopf erhoben, Schultern gerade. Wünsche schöne Feiertage. Und schaffe es bis zur Halde bis sich die Bitterkeit heftig Bahn bricht. Gut, daß ich nicht viel gefrühstückt habe. Eine Gruppe Dackelbesitzer schaut mich an als wäre ich der letzte Junkie. Ich schaue so böse zurück, daß die Herrschaften samt Kötern einen sehr großen Bogen um mich machen.

Danach fahre ich nach Hause. Das ist der beste Ort um in aller Ruhe zu heulen und sich abzureagieren. Shit happens, gell? In dem Sinne "Merry Christmas."

Auf dem Kriegspfad

Wenn das Aufwachen schon mit sehr unschönen und vor allem schmerzhaften Krämpfen im Unterleib beginnt, sollte man sich das eigentlich Warnung genug sein lassen und am besten wieder ganz tief in die Bettdecke einrollen. Und weiterschlafen. Nein, ich dagegen durfte mich aus dem Bett quälen, mich dem Monster in meinem Spiegel stellen und im Stockfinsteren zur Bushaltestelle traben.

Bus fährt vor, Bus für diese Uhrzeit nicht ganz so voll wie üblich, aber immer noch voll genug. Freien Sitzplatz erspäht. Freien Sitzplatz angesteuert. Rucksack wandert auf den Sitzplatz. Frau Mirtana wird böse angestarrt. Guckt sehr böse zurück und fragt nebenbei zuckersüß, ob der Rucksack da verschwinden könne. Nö, könne er nicht, wird da gepampt. Die ältere Dame auf dem Platz gegenüber schaut konsterniert auf das jugendliche Rotzgör. Frau Mirtana fragt sich etwas, was ungefähr so klingen könnte: "Hatten wir das nicht schon einmal?"

Frau Mirtana ist, fassen wir zusammen, nicht ausgeschlafen, nicht wirklich gut gelaunt und leidet unter Hormonen. Ihr etwas zu sagen wie "Ey Alte, verpiß Disch, sitzt gleisch meine Freundin hier!" ist einfach keine gute Idee. Es sei denn, man steht darauf, seinem Rucksack dabei zu zu sehen, wie er durch die sich gerade schließende Türe des Busses fliegt. Und dabei, ganz erstaunlich, niemanden verletzt, sondern einsam und etwas beleidigt neben dem Mülleimer der Haltestelle landet.

Ja, das war überdramatisch. Und das entsetzte Gesicht auf meine böse Antwort "Ey Alte, an der Schultenbrücke kannst Du ja dann aussteigen, zurücklaufen und Deinen Rucksack einsammeln. Dann brauchst Du auch keinen Sitzplatz mehr" war meine persönliche Sahne auf dem Kakao. Neben dem lauten Gelächter des Busfahrers und dem Schmunzeln der älteren Dame.

Jetzt bin ich mal gespannt. Man hat mir ewige Rache geschworen. Wettet jemand mit mir, wieviele Brüder mir demnächst auflauern werden?

Immanuel Kant:

"Handle so, daß die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könnte."

deutscher Philosoph
(1724 - 1804)

In aller Kürze

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Zuletzt aktualisiert:
10. Aug, 19:25

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J.R.R. Tolkien,
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