The Black Wolf's Den: 02 August 2007
 

Donnerstag, 2. August 2007

Freier-Tag-Gedanken

Heute ist mein freier Tag. Und was ist? Es ist grau und regnet. So haben wir aber nicht gewettet. Außerdem bin ich vollkommen übermüdet und versuche gerade mich zu motivieren, doch jetzt in die Stadt zu fahren. Zur Bank, zur VHS, in den Buchladen (ein Geschenk kaufen - ich hoffe, es bleibt bei einem Buch ...), Hosen und neue Schuhe kaufen. Ich könnte ja darauf wetten, daß ich weder passende Hosen noch vernünftige Schuhe finde und das Geld dann wieder im Buchladen durchbringe ...

Vielleicht hätte ich heute Nacht schlafen sollen. Stattdessen überkam mich ein Aufräumwahn. Jetzt kann ich unten wieder treten ohne über irgendwelchen Krempel zu stolpern, meine Papiere sind ordentlich weggeräumt, meine private Buchhaltung auf den neuesten Stand gebracht, das Budget für diesen Monat durch gerechnet und alle Kerzenhalter mit neuen Kerzen bestückt. Nur noch Wäsche waschen - das kommt nachts um halb vier nicht so gut. Kann ich morgen machen.

Während des Auf- und Herumräumens darüber nachgedacht, welchen Sprachkurs ich nun belegen soll. Russisch geht nicht, dieses Semester läuft kein Anfängerkurs. Blieben Spanisch und Niederländisch. Spanisch läuft vormittags - schlecht, wenn ich arbeiten muß. Also Niederländisch, das läuft abends. Ich hab einfach Lust, was Neues zu lernen. So richtig Lust und nicht nur dieses "Ach, ich könnte ja eigentlich ..." Gefühl, aus dem dann ohnehin nie etwas wird.

Erstaunlich, was sich die letzten zwei, drei Monate getan hat. Was sich ganz langsam verändert. An so grauen Tagen wie heute habe ich manchmal das Gefühl, als würde ich neben mir stehen und mich beobachten. Als sei die dicke Frau mit den roten Haaren (Notiz an mich: neues Henna kaufen!) eine Fremde, die mit mir überhaupt nichts zu tun hat.

Dieser Job tut mir gut. Ich fühle mich wohl dort und wie ein trockener Schwamm saugt mein Verstand all das Neue, das es zu lernen gilt, in sich auf. Der Chef läßt seine Mitarbeiter Fehler machen in dem Glauben, daß sie daraus lernen. Gut, wenn man den gleichen Fehler ständig wiederholen würde, dann wäre er vermutlich schon ungehalten. Man kann ihn fragen wenn man etwas nicht weiß und wenn man einen Fehler gemacht hat, kann man das sagen - dann bekommt man erklärt, wie es hätte sein sollen und warum. Ruhig und gelassen nach dem Motto "Wissen ist dazu da, geteilt zu werden". Es geht mir auch gar nicht so sehr um das Geld, was ich dort verdiene und von dem mir die ARGE eine Menge abziehen wird. Das Gefühl, etwas zu tun zu haben und sich dabei weiter zu entwickeln, selbständig arbeiten und Ideen einbringen zu dürfen, ist mehr wert als das Geld. Auch wenn ich mit Geld meine Rechnungen bezahle ...

Ganz allmählich, dafür sehr unaufhaltsam, macht sich das Gefühl in mir breit, mein Leben endlich in den Griff zu kriegen und zu wissen, wohin es soll. Lange aufgeschobene Probleme anzugehen und eine Lösung dafür zu finden. Raus aus diesem Loch, in dem sich gar nichts mehr zu bewegen schien. Das fühlt sich ein wenig fremd an. Das Gefühl war so lange abwesend, daß es sich ganz fehl am Platze anfühlt und wenn man gewohnt ist, ständig nur Steine in den Weg geworfen zu bekommen, dann macht es einen auf den ersten Blick mißtrauisch, wenn etwas zu gut scheint um wahr sein zu können.

"Zeit, das sich was dreht." Es dreht sich, bewegt sich. Wohin auch immer, das werde ich ja dann schon sehen. Vorerst sollte ich mich in die Dusche bewegen, sonst wird das heute nichts mit in die Stadt fahren ;-)

Immanuel Kant:

"Handle so, daß die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könnte."

deutscher Philosoph
(1724 - 1804)

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