Nachdem ich Mittwoch die Anfänge eines Abenteuers in einer Spukvilla aus dem Ärmel geschüttelt habe, wollten die anderen unbedingt am Freitag weiter spielen. Also saßen mir gestern abend vier Leute im Schein von ein paar Kerzen gegenüber und ließen sich mal mehr, mal weniger in die Atmosphäre solch eines Geisterhauses ziehen. Nachdem ich einen der Spieler dezent und sanft zusammen gefaltet hatte, daß er doch bitte die dummen Kommentare und die Zwischenrufe sein lassen möge, konnte ich auch die Atmosphäre aufbauen, die ich haben wollte.
Kerzen, die im Luftzug flackern und tanzende Schatten an die Wand malen und Frau Mirtana, die versucht alle Register zu ziehen. Leise flüstert. Mit Akzenten spricht. Ihre Stimme rauh und heiser klingen läßt. Hämisch lacht. Mit den Füßen Schritte über den Dachboden imitiert. Unter dem Tisch eine Tasche mit den Füßen bewegt um das Geräusch eines über den Boden gezogenen Sackes zu imitieren. Mit den Fingerspitzen leise auf den Tisch trommelt wenn es regnet und mit der Faust darauf haut, wenn es donnert. Haß, Wut, Traurigkeit, Sehnsucht, Angst in ihre Stimme legt. Mal flüstert und mal brüllt. Falsche Hinweise streut und ruhig zuhört, wie die Spieler zusammen rätseln, was es damit auf sich haben könnte. Und sich ab und zu das Schmunzeln verkneifen muß, wenn sie sich vorbeugen um besser zu hören, was sie flüstert.
Ich beschrieb gerade eine besonders gruselige Szene als ich sah, wie die Hand des einen Spielers Richtung Schulter seiner Freundin wanderte - die bei der Berührung zusammen zuckte und laut aufschrie. Gut, die Stimmung war für die nächsten fünf Minuten erst einmal hin, weil wir alle lachend unter dem Tisch lagen. Schönes Gefühl, wenn man andere Menschen so in eine Geschichte ziehen kann, daß sie dermaßen reagieren. Das war eines der Abenteuer, die mir als Meister richtig Spaß gemacht haben.