The Black Wolf's Den: 09 Oktober 2006
 

Montag, 9. Oktober 2006

Frau Mirtana fährt Fahrrad

Ein Montagmorgen, an dem man verärgert aufsteht, weil wieder jemand nicht in der Lage war, die von der eigenen Behörde ausgegebenen Formulare richtig zu lesen, kann ja nur schief gehen. Mißmutig aus dem Bett gekrochen, brummelnd die erste Tasse Tee des Tages zu mir genommen und fest gestellt, daß draußen die Sonne scheint. Da wir seit einigen Wochen wieder in Besitz eines Fahrrades sind, nur kurz nachgedacht und beschlossen, der Vestischen keine 4,20 € in den Rachen zu schmeißen, sondern zu radeln.

Vielleicht hätte ich mir den Drahtesel vorher genauer anschauen sollen. Er machte einen sehr grazilen Eindruck mit seinen schmalen Reifen und ich könnte schwören, er hat ein leises Ächzen von sich gegeben als ich ihn von seinem Schloss befreite. Skeptisch beguckten Drahtesel und ich uns gegenseitig. "Nun gut, wenn du deinen Dienst auch nicht unter meiner noch gewichtigeren besseren Hälfte verweigerst, solltest du bei mir ja auch keine Mucken machen?" munterte ich den Drahtesel auf. "Wie meinen Sie?" ich hatte den Postboten übersehen, der mich belustigt anschaute. Ich stotterte irgendetwas unverständliches, wünschte dem breit grinsenden Postboten noch einen schönen Tag und radelte von dannen.

Ich hatte seit gut zwei Jahren nicht mehr auf einem Fahrrad gesessen, was ich anfangs nicht wirklich bemerkte - die Strecke ging ganz leicht bergab und so rollte ich mehr als das ich wirklich aktiv radelte. Nach einem kleinen Zwischenstop bei meiner Bank und der etwas entnervten Feststellung, daß immer noch kein Geld da war, bewegten Drahtesel und ich uns zur Behörde meines Vertrauens. Ewig lange Schlange. Was Menschen dazu treibt, gleich alle sieben Kinder mit zur ARGE zu schleppen, entzieht sich meines Verständnisses - zumal keines der älteren in der Lage schien, für Mutter übersetzen zu können. So stand den ein hilfloser Bär von Mann mit einem Haufen falsch ausgefüllter Formulare und versuchte verzweifelt, sich über Kindergebrüll der Mutter verständlich zu machen und alles, was er für seine Mühe bekam war ein "Ich nix verstehn!" Ja nee, iss klar ...

Vor mir der Herr lief dann auf einmal puterrot an und brüllte Obszönitäten durch die Gegend, die ich hier nicht wiederholen möchte. Worum genau es ging erschloß sich mir leider nicht, allerdings amüsierte er damit die gut drei dutzend Menschen hinter mir. Unter schallendem Gelächter verließ er dann im Stechschritt den Ort seiner Niederlage und ich durfte der Dame am Infotresen mein Problem schildern, nachdem wir beide aufgehört hatten, hysterisch zu kichern. Sie schaute in ihrem Rechner nach, guckte dann etwas betreten und erklärte mir, daß wohl einem Sachbearbeiter ein Fehler unterlaufen sei, entschuldigte (!) sich bei mir für die Unannehmlichkeit und teilte mir mit, daß mein Geld verspätet letzte Woche rausgegangen sei und entweder heute oder morgen mittag auf meinem Konto landen müßte. "Gut, wenn nicht dann komm ich Mittwoch wieder und schrei hier auch ein bißchen rum. In Ordnung?" sagte ich mit einem Zwinkern und erntete ein Grinsen. Gut gelaunt - denn eine Entschuldigung und einen zugegebenen Fehler bekommt man von denen nur einmal im Jahr, wenn überhaupt - radelte ich zurück zur Bank und siehe da, es war Vormittag und das Geld da.

Einen Abstecher ins Lieblings-Cafe Old Town, gemütlich frühstücken, Zeitung lesen und in guter Laune baden. Ein wenig übermütig beschlossen, doch dem Drahtesel noch ein wenig Auslauf zu gönnen und gut gelaunt die Landstraße runter gefahren. Nun ist diese Straße nicht nur voller Schlaglöcher, sondern geht auch stetig abwärts ... Was natürlich unheimlichen Spaß macht, wenn man nicht viel dafür tun muß um durch den sonnigen Tag zu flitzen. Der Haken ging mir erst auf, als ich am Ende der Straße angelangt war. Da ich nun in die entgegen gesetzte Richtung gefahren war in die ich gemußt hätte, durfte ich den ganzen Weg auch wieder hoch strampeln. Ich erwähnte bereits, daß ich seit zwei Jahren kein Fahrrad mehr gefahren bin?

Ich wäre nicht ich, wenn ich nicht einen Weg gefunden hätte, mich davor drücken zu können. So bin ich kurzerhand in einem riesigen Bogen außen herum gefahren - machte die Steigung erträglich und ich sah Seiten dieser achtzigtausend Seelenstadt, die ich bis dato noch gar nicht kannte. Ein bißchen ärgert es mich, daß ich keine Kamera besitze - das Licht wäre einfach ideal gewesen für Fotos. Nun ja, kann man nichts dran ändern. Zwischenzeitlich hatte ich mich verfahren und überhaupt keine Ahnung mehr, wo ich jetzt bin, doch wofür gibt es die Schornsteine des Kraftwerks Scholven, die einem wie große Finger den Weg weisen. Gelandet bin ich letztendlich beim Supermarkt um die Ecke, wo ich noch ein bißchen Geld für Ware tauschte und mir von einer telefonierenden (!) Oma der Einkaufswagen in die Hacken gerammt wurde. Die Oma hielt mir dann auch noch, immer noch mit Handy am Ohr, einen Vortrag darüber, daß man doch nicht einfach so im Weg herumstehen kann ... Ich schoß zuckersüß zurück, daß ich für gewöhnlich nicht im Tiefflug an Regalen vorbei zu segeln und die von mir gewünschte Ware nebenbei aufzusammeln pflege.

Ungeübt ein paar Stunden durch die Gegend radeln hinterläßt Spuren. Abgesehen von der schmerzenden Hacke beschwert sich mein Allerwertester und die Oberschenkel-Muskulatur. Peinlich, peinlich - als mein Fahhrad noch der einzige Weg für mich war, von A nach B zu gelangen, machte es mir nichts aus, mal eben fünfzehn Kilometer bis zur nächsten Eishalle zu radeln oder mit dem Fahrrad bis nach Leverkusen am Rhein entlang zu fahren. Wenigstens hab ich der Vestischen keine 4,20 € in den Rachen werfen müssen ... Und ich sollte öfter mit dem Fahrrad fahren, spart Geld. Vielleicht tuts dann auch irgendwann nicht mehr so weh ...

Immanuel Kant:

"Handle so, daß die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könnte."

deutscher Philosoph
(1724 - 1804)

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"Der beliebteste Fehler unter Leuten, die etwas absolut idiotensicheres konstruieren wollen, ist der, daß sie den Erfindungsreichtum von absoluten Idioten unterschätzen."
Douglas Adams,
britischer Schriftsteller


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"I don't know half of you as well as I should like, and I like half of you less than you deserve."
J.R.R. Tolkien,
Lord of the Rings


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“And all those exclamation marks, you notice? Five? A sure sign of someone who wears his underpants on his head.”
Terry Pratchett,
Mummenschanz

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