The Black Wolf's Den: 02 September 2004
 

Donnerstag, 2. September 2004

Realitäts-Flüchtling

Oh Gott, oh nein du lieber Gott,
Der Bildschirm ist jetzt doch kaputt!
Was tun, die Not ist groß!
Keinen Neuen ohne Moos.

Ich weiß, ich bin sarkastisch und böse und so. Aber danach war mir gerade. Und ja, hier ist in der Tat ein Bildschirm kaputt gegangen, was eine mittlere Krise und Panik ausgelöst hat. Man könnte ja auch mal einen Tag ohne Warcraft und Everquest und wie sie alle heißen verbringen. Aber wer bin ich, mit Steinen zu schmeißen? Immerhin entstehen diese Zeilen ja auch am PC ...

Aber schon erschreckend, wie panisch Menschen (oder sollte ich in dem Falle Männer sagen?) reagieren können, wenn das heißgeliebte Spielzeug nicht mehr funktioniert. Naja, da man hier ja kreativ ist, wurde einfach der Monitor ausgetauscht gegen den des schwächsten PC's (den ich normalerweise nutze). Tja, da hab ich wohl den kürzeren gezogen ... Und sitze nun auf dem unbequemen Stuhl an einem Rechner wo ich alles, was ich brauche, immer per Google suchen muß, weil hier jemand ganz clever die Favourites vernichtet hat. Nur damit man der Sucht Genüge tun kann. Wo ist mein Orden?!

Und machen wir uns nichts vor, Internet kann zur Sucht werden. Wir spielen übers Internet, wir kommunizieren per Chat und E-Mail, wir kaufen ein per Internet, wir buchen Reisen übers Internet und so weiter und so fort. Gibt es eigentlich etwas, was wir nicht per Internet erledigen können, sieht man einmal von der Sache mit den Bienchen und Blümchen ab?

Wo ich schon einmal bei dem Thema bin: heute ist mir eine interessante Seite zum Thema "Internetsucht" beim Surfen durchs WorldWideWeb aufgefallen. Auch wenn ich mir oft dachte "Hmm, nee, nicht wirklich", muß ich zugeben, irgendwie haben die Autoren recht. Und wann ist man süchtig? Ist man süchtig, wenn man sich für Online-Spiele den Wecker stellt? Wenn man nicht beim Rollenspiel-Abend mitmachen will, weil es könnte ja doch ganz eventuell sein, daß einen die Gilde ( = Gemeinschaft von mehreren Everquestspielern) für den Raid braucht? Wenn Verabredungen im Spiel oder Chat wichtiger werden als die realen sozialen Kontakte? (Vorausgesetzt man hat überhaupt noch welche, die nicht eingeschlafen sind ...). Sicher, ich zocke gerne Everquest und es hat Zeiten gegeben, da habe ich mehr als exzessiv gespielt. Mittlerweile macht es nur noch halb soviel Spaß - egal wieviel Ansehen ich auch genießen mag auf Norrath (virtuelle Welt von Everquest), es kann nicht mehr darüber hinwegtäuschen, daß in meinem realen Leben nicht alles so heile ist wie "in game". Und das wirklich bittere daran, gewußt um meine eigene Realitätsflucht hab ich schon lange, schließlich sitzen genug abschreckende Beispiele in meinem Umfeld.

Ich glaube, es ist an der Zeit, Everquest auf Wiedersehen zu sagen, auch wenn daraus viele nette Kontakte im realen Leben entstanden sind. Welcher Mensch fühlt sich auch nicht geehrt, wenn einem zwanzig Leute in einer vollbesetzten Gaststätte "Huhu Hupaeh!" entgegen schreien ("Hupaeh" ist meine Spielfigur in Everquest, früher war's mal Mirtana, abgekürzt Mirt.) und man sich ziemlich sicher sein kann, die Blicke aller im Umfeld Sitzenden auf sich gezogen zu haben. Hey, eine schöne Zeit war es auf alle Fälle und es hat verdammt viel Spaß gemacht. Aber man soll gehen, wenn es am schönsten ist und genau das werde ich wohl auch tun. Es gibt die schöne Funktion /play, da wird einem dann angezeigt, wieviel online Stunden der Charakter alt ist. Auf beiden Charakteren zusammen habe ich es auf knappe 150 Tage gebracht. Das sind grob geschätzt 3.600 Stunden, die ich in einer virtuellen Welt verbracht habe in den letzten dreieinhalb Jahren. Manchmal wünsche ich mir, ich hätte mit der Zeit etwas Sinnvolleres angefangen (über Sinn und Unsinn von Weblogs diskutieren wir ein andermal, einverstanden?). Es gibt im Leben einfach Punkte, wo einem "ein Licht aufgeht" und genau das ist heute passiert, als dieser Monitor seinen Geist aufgab und jemand mit Panik in den Augen nach einer Lösung für das Problem suchte, weil anscheinend ein Abend ohne PC und Onlinespiel die Horrorvorstellung schlechthin zu sein scheint - und nein, dieser jemand war nicht ich ... Ich bin spazierengegangen heute Nachmittag und hab die Sonne genossen.

Weil Du wichtig bist für mich

Manchmal, da denk ich an Dich,
Weil Du wichtig bist für mich.
Hast ungezählte Male zugehört
Und Dich niemals beschwert.

Ich bräucht ein ganzes langes Leben,
Um dir nur etwas zurück zu geben.
Egal worum es bei mir geht,
Keiner, der so gut versteht.

Es gibt manchmal einfach Tage,
An denen ich mich frage:
Warum tust Du das eigentlich?
Was springt heraus dabei für Dich?

Laut werd ich das niemals fragen.
Nur meine Augen werden's wagen,
In meinem Blick ist es zu sehen,
Aber wirst Du auch das verstehen?

Versuche, meinen Blick zu verstecken.
Doch ich glaub, Du wirst entdecken,
Was ich sonst zu verbergen such,
Als wär ich ein aufgeschlagenes Buch.

Du hast mir manches Mal erklärt,
Daß man im Leben immer lernt.
Hast mein Unverständnis oft ertragen,
Es ist an der Zeit, Dir dafür Dank zu sagen.

Ich kenne keinen großen Teil von Dir,
Doch das bißchen reichte mir.
Mag sich mein Weg von Deinem trennen,
Ich werd Dich überall wieder erkennen.

Gibt es Zufall, das frag ich mich.
Mittlerweile denk ich, eher nicht.
Dahinter steckt bestimmt ein Sinn,
Daß ich Dir über den Weg gelaufen bin.

Vielleicht auch nur, damit ich seh,
Daß ich nie alleine meine Wege geh.
Wer weiß, irgendwann in meinem Leben,
Kann ich Dir etwas davon zurück geben.

© Mirtana 2004

Immanuel Kant:

"Handle so, daß die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könnte."

deutscher Philosoph
(1724 - 1804)

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